Sarazenen ist ein Begriff, der ursprünglich einen im Nordwesten der arabischen Halbinsel siedelnden Volksstamm bezeichnete. Im Gefolge der islamischen Expansion wurde der Begriff in lateinischen Quellen und im christlichen Europa als Sammelbezeichnung für die muslimischen Völker, die ab ca. 700 n.Chr. in den Mittelmeerraum eingedrungen waren, verwendet, meist in angstgeprägtem Sinn. Diese Worterklärung, die die Sarazenen als Angehörige eines von Gott heilsgeschichtlich verstoßenen Volkes deutete, wurde bei den christlichen Autoren des Mittelalters seit dem Aufkommen des Islam zu einem anti-islamischen Topos, der in der europäischen Literatur über die Kreuzzüge und den Islam weitere Verbreitung erlangte.
Das Wort saracenus und seine volkssprachlichen Entsprechungen haben im Verlauf ihrer mittelalterlichen Bedeutungsentwicklung neben der primären Bedeutung „islamischen Völkern zugehörig“ zum Teil auch die weitere Bedeutung „fremdartig, alt“ angenommen.
Besonders in Frankreich und der Schweiz ist noch heute der Familienname Sar(r)azin verbreitet, in der deutschsprachigen Schweiz auch Saratz, in Italien Sar(r)aceno. Vorläufer solcher Namen ist im Mittelalter ein in den lateinischen Quellen seit dem 11. Jh. vielfach dokumentierter Name oder Beiname Saracenus, der in vielen Fällen wegen einer „sarazenischen“ Herkunft des Trägers, in anderen Fällen aber auch nur wegen eines zeitweisen Aufenthaltes bei den „Sarazenen“ entstand. Sofern der Name erst im Spätmittelalter in Gebrauch kam, ist auch mit der Möglichkeit zu rechnen, dass er im Hinblick auf die mögliche Bedeutung „Zigeuner“ gewählt wurde.
Gegenwärtig prominentes Beispiel in Deutschland ist Bundesbankvorstandsmitglied und SPD-Politiker Thilo Sarrazin.
(Wikipedia)
30. August 2010 | Keine Kommentare »
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16. März 2010 | 2 Kommentare »
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25. Januar 2010 | 7 Kommentare »
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14. Januar 2010 | 15 Kommentare »
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22. Dezember 2009 | 1 Kommentar »
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Ende der achtziger Jahre lernte ich einen Engländer kennen, der, um seiner Heroin-Abhängigkeit zu entkommen, zehn Jahre in einem japanischen Kloster verbracht hatte, wo er sich ganz der Verteidigungskunst des Aikido widmete. Dort hatte er manchmal eine einzige Bewegung wochenlang geübt, ehe er sie beherrschte. Ich konnte mich von dem Ergebnis überzeugen, als ich zusah, wie er in einem Pub einen ihn angreifenden Rowdy mit einem Fingerdruck auf den Puls lähmte und durch den Raum führte wie einen fügsamen Hund. Diesem Mann verdanke ich meine ersten Rudimente fernöstlicher Philosophie. Ich erzähle die Geschichte, um gleich dem Verdacht zu entkommen, den die Erwähnung asiatischer Weisheiten automatisch hervorruft: Ach, schon wieder die typisch westliche Sehnsucht nach dem radikal Anderen mit folglich exotischer Entstellung. Das erwähnte Beispiel zeigt doch, dass es allen unüberbrückbaren Kulturunterschieden zum Trotz möglich ist, sich eine fremde Technik anzueignen. Dem würde im übrigen kaum jemand widersprechen, aber nur aufgrund der (zweifelhaften) Annahme, die Technik sei neutral und deswegen überall anwendbar – die Bedienung eines Computers etwa, oder eines Maschinengewehrs. Allerdings trifft dies auf die asiatischen „inneren Kampfkünste“ nicht zu. Diese sind mit dem Erwerb einer sowohl körperlichen als auch geistigen Disziplin eng verbunden, welche von starken philosophischen Voraussetzungen hergeleitet ist – allen voran eben der Einheit von Körper und Geist.
In Aikido oder Tai Chi wird ausschließlich die Energie des Angreifers verwendet, um ihn zu destabilisieren. Die Regel lautet: Abwarten, ausweichen, die Kräfte des Gegners langsam aushöhlen, bis der entscheidende Augenblick kommt, in dem er durch eine einzige Handlung nicht geschlagen, sondern geschickt neutralisiert wird. Hartes kann durch Weiches besiegt werden, weil es diesem keinen direkten Widerstand entgegensetzt. Je stärker der Angreifer, desto wirksamer die Ableitung seiner Kräfte. Auch die klassische chinesische Kriegskunst (wie sie vor 25 Jahrhunderten von Sun Zi festgelegt wurde) basiert auf einem Krieg ohne Schlacht, in dem der Feind verwirrt und überlistet wird. In Gegensatz etwa zu den Annahmen von Clausewitz wird hier Verteidigung als die bestmögliche Attacke gepriesen. Es geht darum, so der Sinologe François Jullien, „die Stellung des Gegners durch die eigene Stellungslosigkeit zu beherrschen“. An diese Prinzipien anknüpfend habe ich übrigens vor einigen Jahren die Vorstellung eines „geistigen Aikido“ entwickelt, in dem, anstatt ideologisch aufzurüsten, um sich gegen die herrschende Doxa zu stürzen, zu versuchen wäre, die Kräfte der meinungsbildende Klasse gegen diese selbst abzuwenden und abzuwarten, bis sie ihr Gleichgewicht verliert und mit einem einzigen Satz außer Kraft gesetzt wird.
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07. Dezember 2009 | 5 Kommentare »
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