Archiv für die Kategorie ‘Anthropologie’

Aphorismus der Woche

Früher, ganz früher, wussten die Menschen, dass sie glaubten. Später fingen sie an zu glauben, dass sie wussten. Schließlich, nach vielen Enttäuschungen, glauben sie, dass sie an nichts mehr glauben. Gerade dieser letzte Glaube muss jetzt zerstört werden - keine unerhebliche Aufgabe.

Blonder Untergang

Es fehlte nicht viel und Europa wäre bis heute menschenleer geblieben. Als vor 11 Jahrtausenden Gruppen der Art Homo sapiens, aus Ostafrika stammend, den Urwald des Nordens zu besiedeln begannen, trafen sie auf eine derart feindliche Umwelt, dass bald nur noch wenige Clans überlebten. Dort war nämlich das Sonnenlicht zu schwach, um in genügendem Ausmaß ihre dunkle Haut zu durchdringen. Haut und Haare waren deswegen schwarz, weil mit Melanin pigmentiert. Melanin ist ein endogener Sonnenschutz, der ausreichend Licht durchlässt, um die Bildung des lebenswichtigen Vitamin D zu ermöglichen, doch gleichzeitig die UV-Strahlung genügend filtert, um schädlichen Effekten vorzubeugen. Ein millionenjähriger Evolutionsprozess hatte den Menschenkörper mit der richtigen Menge an Melanin ausgestattet, so dass dieser bestens an die afrikanische Sonne angepasst war. Mehr Melanin hätte zu Rachitis geführt, weniger Melanin zu Hautkrebs. (Melanin ist nicht mit Melamin zu verwechseln, jener Chemikalie, die heute hergestellt wird, um chinesische Säuglinge zu vergiften.)

Doch die Evolution hatte nicht vorgesehen, dass einige Menschen auf die Idee kommen würden, sich in anderen Klimazonen niederzulassen. Da schlug der genetische Vorteil in einen Nachteil um. Für das fahle Nordlicht war ihre Pigmentierung zu stark. Bald litten sie unter einem Mangel an Vitamin D, zumal sie sich gerade mitten in der Eiszeit befanden und frische Nahrung entsprechend knapp war. Also schien Homo Europeus zum Aussterben verurteilt. Nur noch ein Wunder konnte ihn retten. Und ein Wunder geschah - in der Verkörperung der Blondine. Vor 10.000 Jahren fand eine seltene Gen-Mutation unter Europäern statt. Einige Individuen wurden mit blonden Haaren, blauen Augen und weißer Haut geboren. Mit anderen Worten, sie waren mit einer geringeren Dosis an Melanin ausgestattet. In Afrika hätten diese Mutanten keine Überlebenschance gehabt, doch in ihrem nördlichen Habitat hatten sie keine UV-Überdosis zu befürchten. Und sie konnten genug Vitamin D bilden, um gesund zu sein. Da die blonde Minderheit besser angepasst war, wurde sie zur dominanten Gruppe. Die Evolution hatte eine Antwort auf die veränderten Klimabedingungen gefunden. So weit die übliche Erklärung der Geschichte. Sie übersieht aber die entscheidende Frage: Wie konnte sich diese äußerst seltene Anomalie rasch genug ausbreiten, um ein Aussterben der Bevölkerung zu verhindern? Gemäß der geringen Menschenzahl wäre ein natürlicher Ausleseprozess zu langsam gewesen, um die Abwärtstendenz rechtzeitig umzukehren. >> Weiterlesen