Rekonstruktion
Tag für Tag wird das Huhn gefüttert. Und mit jeder Fütterung wächst die Überzeugung des Huhnes: Grundgesetz des Daseins ist, die Lebensbedingungen sind sicher. Die tägliche Futterdosis wird geliefert. Das Tier verlässt sich auf die Wohlgesonnenheit, ja die Unterwürfigkeit der Menschen ihm gegenüber. Woher sollte es daran zweifeln? Dann eines Morgens kommt plötzlich die Überraschung: Die Hand, die es fütterte, dreht ihm den Hals um! Aus der Geflügelperspektive ist diese Katastrophe völlig unbegreiflich, sie widerspricht ja jeder Prognose, die aus der Erfahrung gezogen werden konnte. Vielleicht wird das Huhn mit Heiner Müller die Schlussfolgerung ziehen: Optimismus war Mangel an Information.
Diese Geschichte erzählte der Philosoph Bertrand Russell. Sie wurde neulich von Nassim Taleb in seinem großartigen Buch „Der schwarze Schwan“ übernommen und ist dadurch ziemlich populär geworden. Nach der aktuellen Lesart steht das Russellsche Huhn metaphorisch für die globale Wirtschaftskrise. Auch sie hat keiner vermocht, vorauszusehen. Tag für Tag wurde mit blindem Vertrauen auf die „spontane Ordnung“ der Märkte, die „Naturgesetze“ der Ökonomie und die „Weisheit“ der Experten gesetzt, bis die böse Überraschung kam. Aus Gewohnheit war eine trügerische Zukunftserwartung erzeugt worden. Die Krise hat offenbart, dass die Routine, welche irrtümlich als „Realität“ wahrgenommen wird, jederzeit von höchst unberechenbaren Ereignissen unterbrochen werden kann. Danke, Krise. Schön, dass du da bist.
Unter den Wissenschaftlern, die sich mit dem Artenschwund beschäftigen, kursiert eine sinnverwandte Geschichte: Während eines Fluges löst sich ein Nietbolzen aus den Flugzeugrumpf aus. „Das kommt vor“ sagt der Pilot. Dann löst sich ein zweiter Nietbolzen. Und wieder einer. „Wird das nicht langsam gefährlich?“ fragt ein Reisegast. „Kein Grund zur Sorge, sagt der Pilot, Bolzen fallen auf den Boden und wir fliegen halt weiter. Ein paar mehr oder weniger macht doch kein Unterschied, es gibt so viele davon.“ Zwischendurch haben sich noch weitere Teile ausgelöst und das Flugzeug beginnt, heftig zu wackeln. „Machen Sie sofort eine Notlandung!“ verlangt der Reisegast. „Ach was, wir schaffen es schon bis zum Ziel, sagt der Pilot, in meiner ganzen Karriere bin ich doch nie abgestürzt“.
Hier wird der Akzent auf die kritische Masse gesetzt. Welche Mindestzahl an Nietbolzen braucht ein Flugzeug, um weiterfliegen zu können? Wie viel verschiedene Tier- und Pflanzenarten sind erforderlich, um das Leben auf Erden zu erhalten? Im Gegensatz zum Russelschen Huhn ist die Gefahr vorhersehbar, doch bleibt die Frage: Bis wohin kann das Risiko hingenommen werden? Darüber werden sich die Menschen nie einigen können und eine definitive Antwort wird sich erst ergeben, wenn die Katastrophe eintritt. Also wäre eine Notlandung die logisch erforderliche Lösung. Dagegen spricht aber die Macht der Gewohnheiten.
Beide Erzählungen reflektieren ein doppeltes Problem, das sich gegenwärtig akut stellt: die Begrenztheit der eigenen Erfahrung, wenn es darum geht, völlig neue Situationen einzuschätzen, und die zunehmende Unberechenbarkeit der Zukunft in höchst unstabilen Systemen. Geht es um das Klima, die Wirtschaft, die Energie oder die Weltpolitik, immer öfter treten Situationen ein, die der Wissenschaftstheoretiker Jerry Ravetz „postnormal“ nennt: „die Fakten sind ungewiss, die Deutungen umstritten, die Aufgaben kolossal und die Entscheidungen dringend.“ Zufall ist nicht gleich Zufall. Das Ergebnis eines Würfelwurfs kann man mit einer einfachen Wahrscheinlichkeitsrechnung einschätzen weil die Parameter bekannt, konstant und wiederholbar sind.
Hingegen hätte dem Huhn keine Statistik über das bisherige Verhalten des Züchters oder die täglichen Futterrationen geholfen. Anhand der ihm verfügbaren Informationen konnte es mit seiner Schlachtung nicht rechnen. (Natürlich stellt sich die Sache für den Hühnerzüchter anders dar. Für ihn ist die Abfolge weder zufällig, noch unlogisch. Aber seine Absicht bleibt dem Betroffenen verborgen).
Im Fall des auseinanderbrechenden Flugzeuges liegt das Problem wiederum an der Selbstüberschätzung des Piloten. Da er einen Absturz nie erlebt hat, neigt er dazu, das Risiko zu minimieren. Dabei übersieht er, dass diejenigen, die bereits abgestürzt sind, eben nicht mehr da sind, um über die eigene Erfahrung zu berichten. Die Geschichte wird von den Überlebenden geschrieben, darum fallen ihre Einschätzungen oft überoptimistisch aus.
Genau an dieser Stelle setzt die Problematik der Rekonstruktion ein. Ursprünglich hat mich die Doppeldeutigkeit des Wortes interessiert. Rekonstruieren heißt sowohl Erinnerungen logisch anordnen als auch einen ursprünglichen Zustand wiederherstellen. Man kann jedoch beide Definitionen als zwei Seiten eines einzigen Begriffs betrachten. Es gibt zahlreiche Fälle von Rekonstruktionen, von der Schönheitschirurgie bis zu historischen Verfilmungen, von Kriminaluntersuchungen bis zur Klimaforschung. Doch hinter diesen scheinbar zusammenhanglosen Beispielen lassen sich vielleicht ähnliche Motive und Denkweisen entdecken. Um den intellektuellen Reiz der Rekonstruktion nachzuvollziehen, müssen wir von der vormaligen philosophischen Mode ausgehen, nämlich der Dekonstruktion. Ob Geschlecht, Krankheiten, Diagnosen, Quantenmechanik oder Pädophilie, was wurde nicht alles in den letzten Jahren zum „sozialen Konstrukt“ erklärt? Welche „große Erzählung“ wurde nicht von Erstsemestlern fleißig „dekonstruiert“? Doch bald hinterließ die dekonstruvistische Abrissbirne ein einziges Trümmerchaos. Sämtliche Lehrgebäude haben irreparable Schäden bekommen, es ist also für die theoretische Orientierung notwendig geworden, neue Fäden zu ziehen. Nach der Dekonstruktion kommt die Rekonstruktion.
Hinzu kommt, dass das unbedingte Vertrauen in die Zukunft verschwunden ist. Es gibt ihn nicht mehr, diesen optimistischen Fortschrittsglauben, der der westlichen Gesellschaft eine einzigartige Dynamik gab. Damit ist nicht einmal die Heilserwartung eines „besseren Lebens“, das Versprechen eines glücklichen Jenseits des Kapitalismus gemeint. Solche Gedanken sind schon lange unterdrückt worden. Seit zwanzig Jahren reicht ein Verweis auf den untergegangenen Ostblock, um jegliche Kritik an den übriggebliebenen Westen zu diskreditieren. Seit zwanzig Jahren ist „Weltverbesserer“ ein Schimpfwort. Nein, jetzt sind die Weltverschlechterer, die zynischen Realisten daran, zumindest zu ahnen, dass all ihre Projekte und Investitionen womöglich keine Zukunftschancen haben. Sie rennen herum wie geköpfte Hühner, bitten Züchter-Staat um Schutz, wobei letzterer hilflos mit Milliarden im Geflügelhof herumschmeißt, um den Anschein der Kontrolle zu bewahren. Nicht die Träumer und Utopisten, sondern die nüchternen Verwalter der Sachzwänge trauern jetzt um ihre verschollenen Prognosen. Hier sei ein wenig Schadenfreude erlaubt. Der Sieger entdeckt, dass der Verlust seines Gegners zu Selbstüberschätzung und Erschöpfung führte. Er muss expandieren, um zu überleben, doch die Quellen seiner Expansion (das Ringen ums bessere Leben) hat er selbst zum Versiegen gebracht. Mit dem betrübten Blick auf die Zukunft verändert sich zwangsläufig der Blick auf die Vergangenheit. Man wendet sich dann wieder rückwärts um zu begreifen, was geschehen ist, und um wiederaufbauen zu können.
Das alles war noch rein hypothetisch von mir gedacht, als ich erfuhr, dass sich die Architektenzunft bereits mit der Problematik intensiv auseinandersetzte. Architektur ist ein guter Zeitgeist-Indikator. Jede Stadt dokumentiert vergangene Theorien aus Stuckverzierungen, Dogmen aus Beton, Manifeste aus Stahl und Glas. Selbst das Ende der Moderne wurde plakativ mit postmodernen bzw. dekonstruvistischen Bauten angekündigt. Doch momentan geschieht etwas Einzigartiges: Anstatt eine neue futuristische Architektur zu entwerfen, beschäftigt sich die Architektur mit Rekonstruktionen. Anstelle des tradierten Generationskampfes gegen den bestehenden Akademismus, wird heute hauptsächlich um verschiedene Varianten des Wiederaufbaus gestritten. Insbesondere in Deutschland tobt eine entfesselte Rekonstruktionswut. In Braunschweig, Potsdam, Berlin, Dresden oder Leipzig gibt es anscheinend nichts Dringenderes zu tun, als verschollene Kirchen und Schlösser wieder zu errichten.
Anscheinend ist die Sehnsucht nach Vergangenheit groß. Paradox ist aber, dass durch dieses restaurative Gebaren Geschichte mitnichten wiederbelebt, sondern annulliert wird. Es sind ja die Zerstörungen und Umwälzungen des 20. Jahrhunderts, die anlässlich der Neuerrichtungen einfach wegradiert werden. An der Baulücke des ehemaligen Palasts der Republik gibt es derzeit ein schönes Graffiti: „Die DDR hat es nicht gegeben“. Da hat jemand genau zusammengefasst, worauf die ganze Abriss- und Rekonstruktionsorgie abzielt. Geschichte als Werden, als Prozess ist unerwünscht. Statt dessen wird versucht, von einem hypothetisch unbefleckten Nullpunkt neu zu starten.
Architektur ist bloß das offensichtliche Symptom, es lassen sich doch auch andere Beispiele finden. Am Theater zum Beispiel. So wie Bürgergruppen den detailtreuen Wiederaufbau einer Kirche fordern, sehnen sich manche Theaterbesucher nach „werktreuen“ Inszenierungen. Da ist die gleiche trügerische Sehnsucht nach Authentizität am Werk. Zu ihren Lebzeiten waren die Klassiker doch keine Klassiker. Sie setzten Neuerungen ein, um angemessen auf ihre Epoche einzuwirken. Anders beim bürgerlichen Klassik-Karaoke, wo die Buchstabe fortwährend wiederholt, dabei der Geist vergessen wird. Werktreue ist Verrat. Architektonische Rekonstruktionen zeigen: Von ihrem Sinn einmal abgesehen, ist die 1:1 Kanonisierung des Vergangenen zum Scheitern verurteilt. Allein aus technischen Gründen ist sie nicht zu gewährleisten. Dazu fehlt es an Materialen und know how, von den Kosten nicht zu sprechen. Das Resultat ist meistens ein armseliger Kompromiss. Vor allem fehlt der geistige und soziale Kontext, und dieses wird sich auch nicht wiederherstellen lassen. Daher die Legitimitätsfrage: Wozu noch eine Kirche bauen, wenn es immer weniger bekennende Christen gibt? Wozu die szenische Rekonstruktion einer verschollenen Lebensweise, die sich dem heutigen Verstandvermögen fast vollständig entzieht? Kann von Authentizität die Rede sein, wenn die ursprüngliche Bestimmung fehlt?
Es ist ein leichtes Spiel, nicht konservative (es ist ja nichts mehr zu konservieren da) sondern „postkonservative“ Gelüste abzutun und deren Ergebnisse als lauter kitschige Attrappen zu entlarven. Offensichtlich leidet Europa unter Gewichtverlust in der globalen Welt. Sowohl wirtschaftlich, als auch politisch oder kulturell hat es seine Vorherrschaft eingebüßt. Das einzige was Europa noch bleibt, ist seine Geschichte, daher klammert es sich daran mit der neurotischen Energie des Allschützenden – Denkmalschutz, Urheberschutz, Naturschutz, Personenschutz. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass hinter diesem besonderen Reflex sich ein allgemeines Problem verbirgt, nämlich die zunehmenden Alzheimer-Symptome der Epoche, die Verschlechterung der kognitiven Fähigkeit, zeitliche Sequenzen zu differenzieren, daher Entwicklungen und Zusammenhänge in Griff zu bekommen. Hier kann wiederum die Architektur behilflich sein, denn die Debatten der letzten Jahre haben gezeigt, dass Rekonstruktion nicht unbedingt mit kanonischem Wiederaufbau gleichzusetzen ist. Es gibt zum Beispiel historisierende Rekonstruktionen, die keinen „ursprünglichen“ Zustand zu wiedergeben versprechen, sondern die Dynamik der Zerstörungen und Erneuerungen einbeziehen. Oder aktualisierende Rekonstruktionen, die sich um die Kernfrage drehen: Wie hätten Möbius oder Gropius auf die Anforderungen und technische Möglichkeiten der heutigen Zeit reagiert? Wie können neue Brücken zwischen Historie und Gegenwart geschlagen werden?
Dabei sind wir bereits bei dem mentalen Aspekt der Rekonstruktion. Was passiert wenn wir etwas gedanklich rekonstruieren? Wir versuchen, ein Ereignis, das ohne Zusammenhang in unserem Gedächtnis erscheint, einer logischen Anordnung zu unterwerfen. Wir fädeln es auf eine kausale Kette, fügen weitere Ereignisse hinzu und leiten ebensolche ab, die wir zu Ursachen respektive Wirkungen erklären. In dieser Übung ist der Mensch sehr gut. So gut, dass sein Gehirn Beihilfe leistet und zum Beispiel Erinnerungen nach Bedarf konstruiert oder Ursachen erfindet, wenn keine vorhanden sind. Wir wissen, wie selektiv das Gedächtnis funktioniert, wie vereinfachend unser Rückblick ist. Hinterher ist man immer klüger, weil, meint Taleb, „narrative Verzerrungen“ die Illusion erzeugen, im Nachhinein sei alles vorhersagbar. Dafür werden Fakten in eine gut klingende Geschichte oder ein wissenschaftlich aussehendes Muster eingebaut. Hier ist Rekonstruktion als individueller Gedankenprozess gemeint, doch wenn es ums kollektive Gedächtnis geht, wird die Verzerrung nicht deswegen kleiner. In diesem Fall wird die Selektion von Bildungsanstalten und Medien übernommen. Wir haben im Geschichtsunterricht gelernt, wie glatt und ablesbar etwa „die Ursachen des 1. Weltkrieges“ gewesen sein sollen. Die Geschichte verläuft derart kausal und linear, das man sich immer wieder wundert, wieso die damals Lebenden so dumm waren, um katastrophale Situationen nicht voraussehen und abwenden zu können. Doch so simpel ist es nicht, meint der Sozialpsychologe Harald Welzer. Für die Zeitgenossen geschahen die radikalen Brüche, die wir im Nachhinein konstatieren können, zunächst unbemerkbar: „Nehmen Sie 1933. Die Nazis sind an der Macht, ein radikales Herrschaftssystem etabliert sich, aber im Alltag bleibt erst mal ja alles gleich. Die Autos fahren, Restaurants sind geöffnet, man feiert Geburtstag, die Welt ist nach wie vor in Farbe. Wie tief der Einbruch ist, wird gar nicht spürbar, weil 98 Prozent aller Stabilisierungsmomente des Alltags funktionieren wie gehabt.“
Das führt uns unwillkürlich auf den jetzigen Augenblick zurück, dieses sonderbare Moment, dem eine verhängnisvolle, multiforme Krise angeheftet ist, wobei die uns vertrauten Stabilisierungsmomente bisweilen erhalten bleiben. Erleben wir eine epochale Wende? Wird uns die kommende Generation vorwerfen, nichts gegen das zerstörerische Chaos unternommen zu haben? Oder ist die kleine Abschwungsphase schon vorbei? Wie können wir dem Selbstbetrug ein Ende setzen? Welches Verhalten wäre angesichts der großen Ungewissheit angemessen? An dieser Stelle lässt sich das Entschwinden der großen Denksysteme von einst deutlich spüren. Die Psychoanalyse etwa, oder der Marxismus waren Verfahren der Meta-Rekonstruktion, also Zusatzmittel, um über die eigene Erfahrung hinaus aufbauen zu können. Mit Freud wurden unbewusste Motive, Verdrängungen und retrospektive Rationalisierungen ins Spiel gebracht. Und Marx stellte die individuellen Biographien ins Licht der Produktionsverhältnisse. Sicher haben diese Systeme mit ihrem Anspruch, alles erklären zu können, wiederum zu kanonischen, simplistischen Rekonstruktionen geführt. Aber wer sich heute anhören muss, wie die Gier einzelner Bankers als „Erklärung“ für die Finanzkrise verkauft wird, darf schon eine Prise Marxismus vermissen.
Kanonische Rekonstruktionen (wie etwa das vor kurzem hochgefeierte „1989-Jubiläum“) sind ex post Rechtfertigungen des Geschehenen. Zu einer gegebenen Situation zählen die Drahtleitungen, die von einem Vorher zu einem Nachher geführt haben sollen. So bekommen wir eine schöne, lineare Erzählung und sie ist logisch unanfechtbar. Aber nur, weil in ihr die Störelemente ausgeblendet werden, also Fragen wie: Wie groß war die Überraschung, als das Ereignis eintrat? Warum war es nicht vorgesehen? Wie wurde darauf reagiert? War die folgende Entwicklung für die Zeitgenossen absehbar? Wahrscheinlich? Und überhaupt erwünscht? Welche Ängste, Träume, Wünsche kommunizierten miteinander? Welche Möglichkeiten wurden damals als real empfunden? Sind die Gründe ihrer Nicht-Verwirklichung nachvollziehbar, und wenn ja zufällig oder notwendig? Werden solche Fragen gestellt, dann verwandeln sich eine „Übergangsphase“ in eine Bruchstelle und ein scheinbar abgeschlossener Moment in eine offene Situation. Anstatt das Geschehene zu kanonisieren wird der Akzent auf Unmittelbarkeit und Unprognostizierbarkeit gesetzt. Die Nichtlineare Rekonstruktion sagt nicht: was letztendlich geschah, war das einzig Mögliche, sondern verkündet: macht Euch auf alles gefasst, Ihr Russelsche Hühner!
von Lichtträger | 05. Dezember 2009 um 17:35
Sind die Hühner wieder abgezogen in Leipzig? Ist die Show vorbei?
Na jut, Kleinvieh macht auch Mist, hi.
Zitat: Beide Erzählungen reflektieren ein doppeltes Problem, das sich gegenwärtig akut stellt: die Begrenztheit der eigenen Erfahrung, . . . .
Entscheiden ist. Was wird hier “eigene Erfahrung“ genannt und wie verhält sich das nicht Eigene in diesem Kontext.
Was soll dieses Eigene denn sein? Umfasst es vielleicht die Sichtweise der letzten ~500 Jahre die ausschliesslich über die Erkennung mit dem Auge gelaufen ist, eine Augenkultur die ihren Höhepunkt im Augenblick findet?
Was ist und woher kommt dieses nicht Eigene denn, dass uns den Kopf verdreht? Ist es erst dann das Eigene wenn wir es aufmerksam erwarten?
Die Einschätzung einer völlig neuen Situation, ist im Wesentlichen die Fantasie in die Zukunft, gespeist aus der Vergangenheit.
Die Erfahrung ist Funktion und Summe, sie ist das Kindliche staunen über sein lebendiges erfahren.
Die Begrenztheit der Erfahrung bezieht sich hier nicht auf die Erfahrung selbst, die in sich Ganzheitlich ist, sondern auf die Priorität des “sichtbaren“ Linearen Wissens, die in ihrer Funktion als Mittel, der vorwärts Bewegung im Raum dient, und sei es rückwärts, nicht der Erfahrung in sich.
Das ist auch der Grund warum der Mensch sich selbst nicht besser erfinden kann als er ist, und somit auch die an anderer Stelle aufgetauchte Frage, ist es dem Menschen möglich Biomechanoiden oder ähnliches besser als sich selbst herzustellen, verneint werden kann.
Wer versteht, dass die Gesamtheit der Ereignisse, inklusive der vermeintlich un-vor-seh-baren, unser Eigenes definiert, ist aus dem gegenwärtigen akuten Problem befreit.
Wer den Augenblick ins ganze Licht rücken mag.
Unstabile Systeme wie zum Beispiel das Finanzsystem, bekommen ihren Schrecken zum einen durch die verhinderten und aufgeschobenen, durch Zentralisierung und Globalisierung aufgetürmten unausgewogenen Grundstrukturen (Zinswirtschaft ezetera) fernab ihrem vernünftigen eigentlichen Zweck, der vereinfachten Dienstleistung für den Warenfluss. Und zum andern durch die Reaktionsfähigkeit aus anderen Ereignishorizonten wie die Strategisch Bewusst herbeigeführte Krise durch Bedingtheit, wie Rezession durch Depression (ankurbelung Wirtschaft), und Ressurcen Sicherung durch die Unterbrechung der Islamischen Einflusssphäre ( Öl über Afghanistan) anfallenden Kriege durch bipolarer strategischer Denkstrukturen.
Dazu kommt als Impuls zur Rechtfertigung der Krise der unausgeglichene Spardrang der z.B. Deutschen und die dazu ganz natürlich gesuchten Anlagemöglichkeiten (Gier u.s.w.), und die prommt auf die gegenteilige Nation treffen (USA) und das Verheizen ihres Ersparten sichtbar machen, und den nun eigentlichen Motor des ganzen Finanzsystems, dass Vertrauen, zum erzittern bringen.
Es ist zwar Strategisch Bewusst ausgelöst, durch die Imperial denkende Finanz Elite, der Englischen und Amerikanischen Finanzvormachtstellung, die auch die eigentlichen Nutznießer dieser Krise sind, was sich natürlich gut unter dem Deckmantel der so genanten freien westlichen demokratischen Axe des Guten verstecken lässt.
In einem Unstabilen System schwingt natürlich die Rechtfertigung des Scheiterns gleich mit und kaschiert sogleich die Unterschiede des Beispiels Huhn und ganz Bewusst selbst bequemter Ereignisse.
In Davos dem Elitären anderswo kreist die Meinung, Niemand beherrscht mehr die Finanzmärkte. Bleibt die Antwort aber schuldig, warum dann England und die USA weiterhin das Sagen haben. Waffen, Gewalt!
Ein Unstabiles System integriert die Zerstörung, die eigentliche Wandlung. Sie bringt die Gewohnheit ins lebendige, dem Leben.
Die Gewohnheit sagt nun: Ich bin zufrieden, mit einer Diskussion unter Freunden, auf dem Sofa mit einem guten Schluck Wein und Essen im Foyer! War`s dass!?
Das mal zum Einen.
Herzlicht