© Sophie Salzer / Kai Schadeberg

Leitung

Und dann (UA)

Wolfram Höll


//Gewinner des Mülheimer Dramatikerpreises 2014
//Gewinnerstück des Preises „Theatertext als Hörspiel“, gestiftet und produziert von Deutschlandradio Kultur, beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2012
//Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis des Kantons Bern 2013
//„Stück des Monats“ der Zeitschrift Theater heute, Dezember 2013

//Förderpreis zum Lessingpreis des Freistaates Sachsen 2014
//Nachwuchsdramatiker des Jahres 2014 Theater heute, Kritikerumfrage
//Ausgezeichnet mit dem Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2015


Eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2014, zu den Mülheimer Theatertagen — Stücke 2014 und den Autorentheatertagen Berlin 2014



„Ein Kind spricht. Es spricht von den Häusern, den Betonhäusern, den Steinen am Spielplatz – von Gletschern gebracht, vom Vater, von der Mutter, es spricht von Ausflügen in die Stadt, den Paraden, der Erinnerung an die Paraden, erinnert sich der Erinnerung. Das Kind spricht. Und die Spur einer Abwesenheit, eines Verlusts durchzieht das Sprechen – anfangs noch völlig namenlos, eine anonyme Ahnung. Diese Spur des Verlusts, der Unwiederbringlichkeit streift umher, irrt als immaterielles, fast spukhaftes Phänomen, ton-loses Echo durch Hölls Text, ohne je zu einem Ding, einem Etwas, zu einem Objekt der Anschauung zu werden. Das Kind spricht, es erzählt und zählt die Plattenbauten, die großen Steine am Spielplatz, die Stockwerke und Klingelknöpfe, und ehe man sich’s versieht, ist man gefangen in einer Arithmetik des Verlustes, macht einen die Zahl traurig, verweist eine Drei immer auf die Vier, die leider nicht ist, und leidet die Zwei an der Drei, am Fehlen der Eins. Das Kind zählt, und kein Abzählreim ist zur Hand, der die Abwesenheit ungeschehen machen und das Verlorene zurückholen könnte, weil auch der Kinderreim an der Grenze des ‚… und raus bist du‘ endet. Selten hat mich ein Text so traurig berührt und in seiner klugen Zartheit so froh gemacht. Hölls ‚Und dann‘ ist ein Text über das Erinnern – ‚Erinnern‘ im Sinne einer schwachen Kategorie, nicht als Habhaftwerden des Vermissten, moralische Aktivität, Verschleierung des Verlusts oder melancholisches Verweilen, sondern ‚Erinnern‘ als Spur des Todes im Leben: Das Du ist vom Sein ins Erinnert-Sein übergegangen. Der geliebte Mensch ist nicht mehr, und dann, dann ist der geliebte Mensch nichts anderes mehr als Erinnerung. In dieser Kluft, in diesem Und-dann, operiert Hölls Text. Und er tut dies mit beeindruckender sprachlicher Feinheit, mit Diskretion und wunderbarem Willen zur Form.“ (Ewald Palmetshofer in der Jurybegründung der Einladung zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2012)

//Pressestimmen

„Unmöglich zu leugnen, wie intensiv die spukhafte Bilderwelt ist, die hier für Hölls ‚Und dann‘ gefunden wurde, wie effektvoll die bedrückenden Choreographien der grauen Enge und der luftlosen Ausweglosigkeit, die einen Text illustrieren, den mancher hymnisch feiert für seine artifizielle Sprachzergliederung.“ nachtkritik.de

„Ein Glanzlicht. […] Projektionen, elektronische Verfremdung von Stimmen und der Einsatz der vier Schauspieler tragen mit dazu bei, aus der lyrisch bemüht wirkenden Vorlage ein zeitgeschichtliches Kindheits-Requiem zu machen, das im 25. Jahr nach dem Mauerfall äußerst wirkungsvoll ist.“ Rhein-Neckar-Zeitung

„Spiel und Text kommentieren sich gegenseitig bei diesem menschlichen Puppentheater. Video und geloopte Sounds (Musik: Peer Baierlein) sorgen für weitere Erlebnisebenen. Ein Abend voller Theaterlust, der die Poleposition sichert.“ tageszeitung (taz)

„Ganz großartiges Theater.“ MDR Figaro

„Regisseurin Claudia Bauer entfaltete mit Wolfram Hölls schwer melancholisch und zugleich naiv spukhaftem Trauertext über Kindheitsverluste ‚Und dann‘ ein kleines großes Wunderwerk an zart verspielter Fantasie.“ DIE WELT

„Claudia Bauer gelingt es, unter diesem grandiosen Text, eine dramatische Ebene einzuziehen, die ihn nicht nur bebildert oder in Aktionismus auflöst, sondern ihn alptraumhaft räsonieren lässt. (…) Großes Theater im kleinen Format.“ LVZ

„... eine wilde, aber sehr sehr genau komponierte Bühnen-Comic-Show. (...) So entspinnt sich ein wirklich zauberhafter Abend, der dem, was als 3. Generation Ost durch die Diskussionen schwirrt, eine theatrale Form gibt, sich aber nicht von Tagespolitik vereinnahmen lässt.“ Freie Presse

Premiere: 4. Oktober 2013
Spieldauer ca. 1:10, keine Pause

Theaterpädagogische Betreuung: Swantje Nölke