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Leitung

Angst reist mit

Sibylle Berg
Ein Reiseoperepos in diversen Aufzügen

Endlich sind sie angekommen, die alltagsgestressten Touristen aus Europa, auf einer Insel fernab der Zivilisation. Laut Reiseprospekt eines der letzten unberührten Paradiese. In der Fremde will das Lehrerehepaar Karl und Karla die eigene Beziehung auf den Prüfstand stellen, Ferien vom Ich machen, den Partner neu entdecken. Ansgar und Kevin arbeiten als Journalisten in einer großen Redaktion und suchen nach dem anderen Kick in der Ferne, vielleicht auch nach einer guten Story für den Karrieresprung. Ruhe gibt es auf dieser Insel, Sonne, Sand und Meer und sonst eigentlich so gut wie nichts, nur ab und zu zwei Eingeborene, hinter deren marktoptimierter Freundlichkeit süffisanter Hass aufblitzt. Allmählich macht sich Langeweile breit bei den Europäern. Gequält von unbehaglichen Gefühlen, dehnt sich für die Urlauber die Zeit, verschärft sich der Ton ihrer Debatten. Altlinke Ideale treffen auf neoliberalen Ehrgeiz, die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit auf die Wünsche nach Komfort. Das Paradies wird zunehmend zur Hölle für die Sehnsüchtigen. Wenn es doch wenigstens Kindersoldaten gäbe oder Sextourismus. Aber nichts davon. Bis die vier plötzlich in Geiselhaft geraten. Ein Alptraum beginnt. Ein fernsehreifer. Das Rundum-Sorglos-Paket mit Nah-Tod-Adventure. Ein unkontrollierbarer Ausnahmezustand. Oder doch nicht?

Mit finsterem Humor zeichnet die mehrfach preisgekrönte Autorin Sibylle Berg eine Welt, in der die geographischen Entfernungen zwar kleiner werden, aber die Verteilungskämpfe umso größer. Der unbedingte Aufstiegswille einstiger Entwicklungsländer trifft hier auf westliche Wohlstandsignoranz. Und letztendlich bekommen alle das, was sie nie gesucht haben. Also fast. Auf jeden Fall aber mit Musik.

„Die Inszenierung von Schirin Khodadadian ist turbulent und kurzweilig und kann mit tollen Schauspielern aufwarten. Diese und die Musikarrangements von Johannes Winde und Friedrich Störmer machen ‚ Angst reist mit‘ zu einem sehens- und hörenswerten Theaterabend.“ Radio mephisto 97.6

„Regisseurin Schirin Khodadadian hat Sibylle Bergs Stück als präzisen, bösen, komischen Irrsinn inszeniert.“ nachtkritk.de

Premiere: 5. Juni 2014

Spieldauer 1:20

Audiodeskription am 18.12.