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Audiodeskription am 28.10. + 18.11.17 + 4.2.18

Kinderbetreuung am 4.2.18

Zum Jahrestag der Uraufführung ist Prof. Heinz Bude, einer der maßgeblichen Soziologen, zu Gast am Schauspiel Leipzig und wird die Entwicklung von Horváths Zeiten bis zur Gegenwart in den Blick nehmen: „Kein starker Arm nirgends. Das andere Proletariat im alten und neuen Kapitalismus.“
18.11.17, 18 Uhr, Große Bühne

Ein Gespräch mit Regisseur Enrico Lübbe & Chefdramaturg Torsten Buß gibt einen Eindruck von ihrer Arbeit und ihrem Inszenierungsansatz. Lesen Sie hier mehr.

Besetzung

Leitung

Kasimir und Karoline

Ödön von Horváth

Du hast in mir drinnen gewohnt und bist aber seit heute ausgezogen aus mir — und jetzt stehe ich da wie das Rohr im Winde und kann mich nirgends anhalten.

Einfach nur auf das Oktoberfest gehen, ein Eis essen und etwas Spaß haben. Das ist der Wunsch von der Karoline. Für den Kasimir aber geht das nicht so einfach, nachdem er gerade gestern erst arbeitslos geworden ist. Und so trennen sich die Wege der beiden. Während die Karoline sich ander­­weitig orientiert — interessierte männliche Begleitung ist reichlich zur Stelle —, versucht der Kasimir, sein Leben zu verdauen. Am Ende des Rummel-Tages, unter dem Gekreische aus Riesenrutsche und Hippodrom, werden sich einige Verhältnisse neu gefügt haben.

„Und die Liebe höret nimmer auf“ hat Horváth, aus der Bibel entnommen, dem Stück als Motto vorangestellt. Ein Motto, das sich für seine Figuren als zu groß erweist. Mit „Kasimir und Karoline“ gelang Horváth ein berührendes Psychogramm über Aufstiegswillen und Abstiegsängste, über die unstillbare Sehnsucht nach Nähe und die Karriere der Kälte.
Die „Stille“, die Horváth immer wieder in die Dialoge seiner Figuren notierte, ist dafür ebenso ein scharfes Brennglas wie die Oktoberfest-Lieder, die „Kasimir und Karoline“ als Kontrast der Fröhlichkeit durchziehen — als letztes Mittel gegen die Stille und die Kälte.

85 Jahre nach der Uraufführung am Leipziger Schauspielhaus steht „Kasimir und Karoline“ nun auf dem Spielplan des Schauspiel Leipzig. Intendant Enrico Lübbe inszeniert damit, nach zuletzt „Geschichten aus dem Wiener Wald“ am Berliner Ensemble 2012, zum fünften Mal ein Stück des österreichischen Dramatikers, der zu den herausragenden Autoren des 20. Jahrhunderts zählt, insbesondere wegen der poetisch-markant verdichteten Sprache seiner Figuren.
Musikalisch wird die Aufführungen Philipp Marguerre mit dem Verrophon begleiten. Als Mitglied des Glasmusikensembles sinfonia di vetro ist er einer der profiliertesten Spieler weltweit für die großen Glasharmonika- und Verrophonsoli der Opernliteratur Donizettis, Strauss’ oder jüngst George Benjamins an führenden Opernhäusern wie der Bayerischen Staatsoper, der Mailander Scala oder dem Royal Opera House Covent Garden.

Enrico Lübbe, seit 2013 Intendant des Schauspiel Leipzig, war von 2000 bis 2004 Hausregisseur am Schauspiel Leipzig, von 2005 bis 2007 Hausregisseur am Neuen Theater Halle und von 2008 bis 2013 Schauspieldirektor an den Theatern Chemnitz. Er arbeitete als Schauspiel- und Opernregisseur u. a. am Staatstheater Stuttgart, Schauspiel Köln, Residenztheater München, Berliner Ensemble, Theater Dortmund, der Staatsoper Hannover und dem Volkstheater Wien.
2014 inszenierte Enrico Lübbe am Schauspiel Leipzig die Uraufführung von Richard Yates’ „Zeiten des Aufruhrs“, 2015 das Doppelprojekt „Die Schutzflehenden / Die Schutzbefohlenen“ (Aischylos / Jelinek) und 2017 „Die Maßnahme / Die Perser“ von Brecht / Eisler und Aischylos, die neben Lübbes Regiearbeiten „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn und „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza auch in dieser Spielzeit zu sehen sein werden.


//Pressestimmen

Enrico Lübbes „Konzentration auf die Sprache ist ein Gewinn. Exakt pointieren die Darstellenden die Dialoglast, die darum nicht erdrückt. Auch ohne Geschrei und expressive Ausbrüche kehren sie ihr Inneres nach außen, wird das triste Seelenleben deutlich.“ nachtkritik.de

„Wenn sich der Vorhang öffnet schaut man auf eine Bühne, die ist wie von Neo Rauch gemalt. Ein etwas gruseliges Niemandsland und eine assoziationsreiche Spielfläche. [...] Das ganze Ensemble lässt sich auf einen besonderen Rhythmus ein und trägt zu einem Gesamtkunstwerk bei. [...] Ein Abend, der etwas für Zuschauer ist, die sich von kluger Entschleunigung mitnehmen lassen.“ MDR Kultur

„Die Zivilisation schenkt Horváths Figuren keinen Schutz, keine Ruhe. Der Mensch als Tier. Antilopen in der Angst vor dem Raubtier, Raubtiere auf der Suche nach Beute. Der Transfer in die heutige Wettbewerbsgesellschaft ist leicht zu ziehen. Das alles bringt die Inszenierung scharf auf den Punkt. [...] Es liegt an den Schauspielern, das präzise  Wortgerüst mit Leben, Gefühlen, Symbolik zu füllen – und sie tun es gut, meist sehr gut.“ LVZ

Premiere: 16. September 2017
Spieldauer ca. 2:30, eine Pause
Theaterpädagogische Betreuung: Swantje Nölke