Artists in Residence

Die Residenz ist ein Satellit des Schauspiel Leipzig. Im Leipziger Westen, in der Baumwollspinnerei zu finden, ist sie nicht nur ein Spielort. Sie ist vor allem Produktionsstätte. Sie bewegt sich nicht, aber in ihr rumort es dauerhaft. Und das aufgrund eines für ein Stadttheater in der deutschsprachigen Theaterlandschaft einzigartigen Angebots: Fünfmal im Jahr laden wir für sechs bis acht Wochen KünstlerInnen und Kollektive ein, in der Residenz eine Produktion zu erarbeiten und ihre Ergebnisse zu präsentieren. Sie kommen aus der Performanceszene, vom Tanz oder von der Musik oder arbeiten an der Schnittstelle zwischen bildender Kunst, Installation, Sounds und Visuals.

So divers die neuen Spielformen des Theaters sind, so divers sind die Abende, die in der Residenz entstehen: Monster Truck erschufen mit „Who’s there“ eine klaustrophobische Menscheninstallation. Machina eX ließen in „Life of N in a Nutshell“ die ZuschauerInnen nach einer Biographie suchen, die es spielerisch zusammenzusetzen galt. Interrobang testeten in „To Like or Not to Like“ neue Kommunikationsmodelle in der theatralen Gemeinschaft und entwarfen damit mögliche Zukunftsszenarien. Gob Squad begaben sich in „SuperNight Shot“ im Stadtviertel Plagwitz auf die Suche nach dem Superhelden. Und Constanza Macras holte sich am Leipziger Völkerschlachtdenkmal Inspirationen für ihren Stummfilmtanzabend „Die Wahrheit über Monte Verità“. Die bilden-den KünstlerInnen Irene Pätzug und Valentin Hertweck versetzten mit ihrer Installation „in actu“ das Publikum in sich immer wieder unberechenbar wandelnde Raumsituationen. Melanie Lane kreierte mit „Spacekraft“ einen Tanzabend inmitten einer Skulptur, die während der Proben zunehmend gewachsen ist. Anna Natt tanzte in „Der Dybbuk“ im Bannkreis einer lebenden Skulptur, des Leipziger Synagogalchors. Die Gruppe huRRa!! kreierte mit ihrem „Black Hole Theatre“ einen O-Ton-Theaterabend und das feministische Kollektiv Henrike Iglesias scheute in „I can be your hero baby“ nicht die Körperschau.
Das ist die Vielfalt der Ästhetiken und künstlerischen Auseinandersetzungen, die den Begriff von Theater erweitern und vergrößern und damit reichhaltiger und bunter machen. Wir möchten diesen Weg, den wir in der Spielzeit 2013/2014 begonnen haben, fortsetzen, mit KünstlerInnen und Kollektiven, die es im besten Falle für das Leipziger Publikum noch zu entdecken gilt.

Zum Residenzprogramm der Spielzeit 2016/2017.


Eindruck aus der Spielzeit 14/15: Anna Natt: Der Dybbuk or Dolores it’s time to hang up the castanets (© Rolf Arnold)

GOD’S ENTERTAINMENT: Die neue europäische Tragödie

Erster Teil einer Trilogie
God’s Entertainment sampeln, faken, dekonstruieren und montieren. Sie eignen sich theaterferne Formate an und erobern den öffentlichen Raum. Sie sind flexibel, transdisziplinär, interkulturell. Sie sind clever und plakativ. Sie zelebrieren die Magie des Augenblicks. Sie manipulieren und verführen das Publikum, wo es nur geht. God’s Entertainment sind keine Theatergruppe. Sie sind eine Performancegang, die es innerhalb weniger Jahre geschafft hat, sich einen Ruf innerhalb der europäischen Theaterszene zu erarbeiten. Premiere am 3.10. / Mehr

NOTFOUNDYET: The Bolaño Project (UA)

Teil 1: Untitled – an introduction
„The Bolaño Project“ (UA) ist die dritte Koproduktion des Schauspiel Leipzig mit der euro-scene Leipzig nach „Die Wahrheit über Monte Verità“ von Constanza Macras | Dorkypark, Berlin (2013) und „Der Dybbuk“ von Anna Natt, Berlin (2014) innerhalb der Reihe „Artists in Residence“ in der Residenz. Premiere + Uraufführung am 4.11. (im Rahmen der euro-scene Leipzig) / Mehr

WarRug: fetisch / liebe (UA)

„fetisch/liebe“ ist der zweite Teil der Reihe „Wege aus der Depression“, in der sich WarRug mit aktuellen Identitätsdiskursen und Taktiken im Umgang mit sozialen Realitäten auseinandersetzen. Die Leitmotive liberaler Ökonomie — Wachstum auf Grundlage der Optimierung von Dynamik, Vitalität und Eigenständigkeit — beeinflussen individuelle Lebensstrategien und sind als Ansprüche an das eigene Selbst längst verinnerlicht worden. Premiere am 28.1. / Mehr

Gastspiel Julian Hetzel & Michele Rizzo: I’m Not Here Says The Void (DE)

Julian Hetzels Arbeiten, die sich zwischen darstellender und bildender Kunst bewegen, haben oft eine politische Dimension und einen dokumentarischen Ansatz. I’m Not Here Says The Void entstand in Zusammenarbeit mit dem Choreografen Michele Rizzo. Dieser beschäftigt sich in seinen Arbeiten häufig mit Selbstrepräsentation und damit, wie sich äußere Lebensumstände wie Medien, Musik und Kunst auf dieses Selbst auswirken. 8. bis 10. April / Mehr

The Fair Play – Installation von Philipp Preuss

Hausregisseur und bildender Künstler Philipp Preuss untersucht in „The Fair Play“ die Kunstmesse als profanisiertes Hochamt, den Event als Flohmarkt und die Messe als zeitgenössische und radikale Form des inszenierten Readymade-Kuratierens: Die Koje ist Bühne, Künstler sind Figuren, Gallerinas ein Chor, die Galerie ist Rahmenbedingung für Bilder von Erfolg, Bedeutung, Resonanz. Systemkritisch und somit systemrelevant! Buy this! 29., 30. April und 1. Mai / Mehr

Gastspiel Interrobang: Callcenter Übermorgen

Suchmaschinen und Auswahlmenüs prägen unseren Alltag. Mehr denn je stellt sich die Frage: Wie könnte mein Leben aussehen, wenn ich mich anders entschieden hätte? Wann schlägt meine Wahlfreiheit in Unfreiheit um? „Callcenter Übermorgen“ ist ein Entscheidungstrainingscenter der Zukunft für verpasste Lebenschancen und neue Lebensentwürfe. 21. + 22. Juni / Mehr