Die Residenz in der ehemaligen Baumwollspinnerei in Plagwitz ist eine Spielstätte des Schauspiel Leipzig, die ausschließlich frei produzierten Projekten zur Verfügung steht. KünstlerInnen und Gruppen aus den Bereichen Performance, Tanz, Theater, bildender Kunst oder Musik können hier in mehrwöchigen Residenzen an ihren Produktionen arbeiten und sie zur Aufführung bringen.
Mit der Residenz stellt das Schauspiel Leipzig einen Produktionsstandort für KünstlerInnen und Gruppen zur Verfügung, die unabhängig vom Repertoirebetrieb des Schauspielhauses andere Ästhetiken und Arbeitsweisen im Theater probieren. Es geht um kollektive Arbeitsprozesse, um Erzählungen abseits von literarischen Vorlagen und um Bühnensprachen, die untrennbar mit dem Akt der Aufführung verbunden sind. Die Residenz ist ein Labor für experimentelle Theaterformen, eine Produktionseinheit für offene Prozesse und ein Netzwerkknoten, der an internationale Koproduktionszusammenhänge anknüpft.

Die Auswahl der Residenz-KünstlerInnen erfolgt aufgrund intensiver Recherche und der eingehenden Auseinandersetzung mit KünstlerInnen und Netzwerkpartnern über die Projekte. Das entscheidende Auswahlkriterium ist die künstlerische Konsistenz der einzelnen Produktion. Das Residenz-Programm verfolgt weder ein thematisches Motto, noch werden KünstlerInnen beauftragt, zu bestimmten Inhalten zu arbeiten. Im Zentrum steht die Arbeit mit den KünstlerInnen am einzelnen Projekt. Die Residenz-Produktionen müssen in jedem Fall eine klare und überzeugende Distinktion zum Regie- und Schauspieltheater der anderen Spielstätten des Schauspiel Leipzig erkennen lassen.

Im Verlauf der Residenzen werden die Arbeitsprozesse punktuell geöffnet. Öffentliche Arbeitsproben, KünstlerInnengespräche, Expertenvorträge, Workshops oder eigens mit den KünstlerInnen entwickelte Veranstaltungsformate begleiten den Arbeitsprozess während der Residenzen. Ziel ist es, einen offenen und kritischen Austausch über neue Theaterformen und die Inhalte der Residenz-Produktionen zu ermöglichen, von der sowohl die KünstlerInnen als auch das Publikum in der Stadt und die lokale Performanceszene profitieren.


Eindruck aus der Spielzeit 15/16: NOTFOUNDYET: „The Bolaño Project“ (UA) (© Rolf Arnold)

SUBBOTNIK: Keep the wolf from the door

Ein norwegischer Schriftsteller reist nach Albanien. Dort will er einen berühmten englischen Arzt begleiten, der zwei Patienten nach seinem neuen Verfahren am Gehirn operieren wird. Die Patienten sind während dieser Operation bei vollem Bewusstsein. Inspiriert von einem Zeitungsessay des Schriftstellers Karl Ove Knausgard entwickeln subbotnik einen Musiktheaterabend, als Konzert, als Theaterabend, als Live-Hörspiel. Premiere: 24.3. / Mehr

PHILIPP PREUSS: Ein Projekt von Philipp Preuss

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CHRISTOPH WINKLER: Sheroes

Der Choreograph Christoph Winkler gilt als einer der vielseitigsten Künstler Deutschlands. Sein Stück, das er in der Residenz entwickeln wird, beschäftigt sich mit dem gestiegenen Interesse an starken Frauenfiguren. Zahlreiche Filme wie beispielsweise „Ocean’s Eleven“ bekommen mittlerweile ihr „female remake“ oder neue/alte weibliche Superhelden werden nicht nur von Marvel auf den Markt geworfen. Diese Geste folgt in erster Linie ökonomischen Überlegungen und versucht, die veränderte Stellung von Frauen monetär nutzbar zu machen. Premiere am 2.2. / Mehr

NOTFOUNDYET: The Bolaño Project. The Retrospective

Der Roman „2666“ von Roberto Bolaño bildet den Ausgangspunkt für dieses Projekt. Er beginnt mit der Suche nach einem Schriftsteller, der in jener Wüstenstadt in Mexiko verschwindet, in der eine ungeklärte Mordserie an Frauen die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Im Rahmen des Projekts, das auch als Plattform fungiert, um über die Zusammenhänge von Gewalt und Kreation zu forschen und zu untersuchen, wie ebendiese Zusammenhänge den kreativen Prozess beeinflussen, werden die Themen Gewalt, Realität und Fiktion zu performativen Erfahrungsräumen. Premiere: 1.12. / Mehr

KATE MCINTOSH: In Many Hands

Die aus Neuseeland stammende und in Brüssel lebende Performancekünstlerin Kate McIntosh arbeitet in ihren Stücken an den Grenzen von Theater, Tanz, Kabarett und Stand-up-Comedy. In ihrer neuen Produktion „In Many Hands“ beschäftigt sie sich mit dem Thema Lernen und erforscht kollektive Aneignungsprozesse. Premiere am 28.10. / Mehr

Gastspiel HENRIKE IGLESIAS: GRRRRRL

Henrike Iglesias haben eine Mission: Das Böse in sich begrüßen. Dem Bösen ein Zuhause geben. Das Böse um sich herum versammeln. Good girls go to heaven, bad girls go everywhere. GRRRRRL ist ein Abend über böse Frauen und über die produktive Kraft der Zerstörung. Eine Hommage an das Unangepasste, das Hässliche, das Laute. 13. + 14. + 15.10. / Mehr

INTERROBANG: Der Prozess 2.0. Ein Schuldlabyrinth nach Kafka

Nach Interrobangs Big-Data-Spiel „To Like or Not to Like“, das sie in der Spielzeit 2014/15 in der Residenz realisierten, bei dem mithilfe des Publikums und von selbst geschriebenen Computerprogrammen eine Datensammlung erstellt und ausgewertet wurde, widmen sich Interrobang in ihrem neuen Projekt „Der Prozess 2.0“ einer ganz spezifischen Facette unserer digitalen Zukunft: der juristischen Dimension des digitalisierten Menschen. Premiere am 17.9. / Mehr