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Philipp Preuss

The Order of Appearance

„The Order of Appearance“ setzt dort an, wo der Theaterabend normalerweise endet: beim Applaus. Es ist eines der ältesten Rituale im Theater. Der Vorhang fällt, die SchauspielerInnen treten in ihren Kostümen vor den Vorhang und verneigen sich vor dem Publikum, während sie die Rollen, die sie gerade noch verkörperten, hinter sich lassen. Der Applaus bringt die gegenseitige Wertschätzung zwischen Bühne und Publikum zum Ausdruck. Ein durchinszenierter Moment für die unberechenbare, spontane Gefühlsentladung im Theater. Und weil im Theater nur wenig zufällig passiert gibt es auch für den Applaus für jedes Stück eine zuvor festgelegte Inszenierung. Die Applausordnung bestimmt, in welcher Reihenfolge die SpielerInnen auftreten, ob einzeln oder im Kollektiv, welcher Raum Stars und Komparsen eingeräumt wird, wer das Ensemble leitet und das Zeichen zur synchronen Verbeugung gibt.

In „The Order of Appearance“ treten von Antigone über Hamlet, Maria Stuart, Die Möwe, Bernarda Albas Haus, Warten auf Godot, Die Dämonen bis zu Publikumsbeschimpfung und A Still Life Still Alive die Dramatis Personae der Theatergeschichte zum Applaus an, ohne zuvor ihre Dramen verhandelt zu haben. Philipp Preuss fokussiert auf den Zwischenbereich zwischen Inszenierung und sozialer Praxis und zeigt Applausordnungen als Choreographie und Endspiel, in dem sowohl die inszenierte Huldigung der SchauspielerInnen als auch die Hierarchien, Machtstrukturen und Gemeinschaftsrituale des Theaters zum Ausdruck kommen.

Neben klassischen Theaterinszenierungen, die mit Video, Wiederholung, Livevideo, Chor, Verdopplungen und Playbacktechniken arbeitet, arbeitet Philipp Preuss seit 1993 im Bereich Bildende Kunst und ist seit 1994 Mitglied der Voralberger Künstlervereinigung/Österreich. Er begann mit Videoinstallationen und Konzeptkunst, seit 2001 arbeitet er mit virtuellen Künstlerfiguren, die von Schauspielerinnen und Schauspielern dargestellt werden. Die in diesem Kontext entstandenen Werke zwischen Appropriation Art, Malerei, Skulptur, Videokunst und Performance, sind real und in zahlreichen österreichischen Sammlungen vertreten. Einzelausstellungen waren u. a. The Globe (2002 Künstlerhaus Bregenz), Sei Personaggi in Cerca d´Autore (2003 Galeria Galica Mailand), Measure for Measure (2008 Künstlerhaus Bregenz), Penthesilea 45 (2013 Galerie Hollenstein). 2012 gründete er das „Shanzhai Institut", das erste Appropriationstheater, das bestehende Inszenierungen 1:1 kopiert. 2016 entstand die Installation „The Fair Play“, eine fiktive und inszenierte Kunstmesse mit Arbeiten aus dem Bereich Appropriation Art, Reenactment, Postinternet Art, Performance, Zeichnung und Malerei in der Residenz. Hierfür wurde eine komplette Messearchitektur entworfen und aufgebaut. Galerienangestellte waren Opernsängerinnen; die für „The Fair Play“ entstandene Performance „The Feedback“ wurde im selben Jahr zur Manifesta 11 nach Zürich eingeladen.

//Pressestimmen

„Eine entspannt ironische und kluge Inszenierung.“ LVZ

„Eine Reise durch die Theatergeschichte. [...] Ein unterhaltsamer Abend, mit genau der richtigen Länge, die die Idee verträgt.“ Bayrischer Rundfunk

Spieldauer 1:00, keine Pause
Language no problem

Regie: Philipp Preuss
Ausstattung: Marianne Heide
Maske: Thora Pilling
Mit: Sabine Brückner, Jessica Gaebel, Christian Humer, Nora Koch, Marius Mechler, Sarah Pachmann, Miloslav Prusak, Sarka Prusak, Sophia Richter, Felix Römer, Birgit Steiner, Alice Tandogan, Sören Zweiniger


Premiere: 6. Mai 2017