KATAPULT 2027

Performance Plattform Leipzig
„KATAPULT — Performance Plattform Leipzig“ geht in die nächste Runde. Bereits zum vierten Mal veranstalten LOFFT-DAS THEATER, Residenz Schauspiel Leipzig und Schaubühne Lindenfels das Format gemeinsam.

Auf Grundlage einer Ausschreibung und Gesprächen wurden vier Projekte lokaler Künstler*innen ausgewählt, die in 2026/2027 an je einem der Häuser koproduziert und während des KATAPULT-Festivals vom 24. bis 27. Juni 2027 zur Premiere kommen werden. Die ausgewählten Projekte sind:

„DIGGING DEEP: AN IMPOSSIBLE EXCAVATION“ – Hang Su
„BUMMELN“ – Mandy Unger
„LIFE OF A BIRD“ – Robin Becker
„IN.SANITIES“ – Senja Katharina Brütting

BIOGRAFIEN DER AUSGEWÄHLTEN KÜNSTLER*INNEN UND COMPANIES

DIGGING DEEP: AN IMPOSSIBLE EXCAVATION
Die partizipative Performance ist aus Hang Sus persönlicher Beobachtung seines Leipziger Wohnumfelds entstanden: Ein vietnamesisches Restaurant in seiner Nachbarschaft wurde von Unbekannten angegriffen und beschädigt; zugleich war lange Zeit an einer nahegelegenen S-Bahn-Brücke ein großflächiges „White Lives Matter“-Graffiti zu sehen. Ausgehend von diesen Spuren im unmittelbaren Alltag entwickeln Hang Su, Ping-Hsiang Wang und Lee Mun Wai ein gemeinsames Format, das nach Möglichkeiten gesellschaftlicher Zusammenarbeit und der gemeinsamen Aufarbeitung struktureller Gewalt gegenüber migrantisch gelesenen Menschen fragt.

Hang Su ist Komponist, Musiktheatermacher und Performancekünstler, geboren in China und in Deutschland lebend. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen zeitgenössischer Komposition, Musiktheater, Performance und dokumentarischer Klangkunst. Im Zentrum stehen Fragen nach Migration und Diaspora, Körper und Erinnerung sowie gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Dabei verbindet er Klang und Komposition mit Alltagsgegenständen, dokumentarischem Material, räumlichen Situationen und partizipativen Formaten. Seine Arbeiten wurden u. a. im LOFFT – DAS THEATER, Ballhaus Ost, Museum der bildenden Künste Leipzig, MARKK Hamburg (Fluctoplasma) Re:publica und bei den Musiktheatertage Wien präsentiert.

BUMMELN
Das partizipatives Performanceprojekt im öffentlichen Raum des Leipziger Westens in Form eines auditiven, performativen Spaziergangs verbindet Tanz, Stadtforschung und kollektive Erfahrung. Im Zentrum stehen das Bummeln und die Pause als choreografische und politische Praxis: als Momente der Unterbrechung, Fürsorge und Selbstermächtigung im durchökonomisierten Alltag – insbesondere in Räumen, die von Arbeit, Umbruch und Klassenerfahrungen geprägt sind. Audiofragmente in Form von Interviews, Erinnerungen und Stimmen von Arbeiter*innen oder Anwohner*innen, verdichten den Raum atmosphärisch.

Mandy Unger aka M.over ist Choreografin und Tänzerin. In ihren Choreografien verbindet sie autobiografische Erfahrungen mit tänzerischer Forschung und gesellschaftlicher Reflexion. Als Tänzerin erforscht sie verschiedene Bewegungssprachen, darunter Hip Hop, House Dance, Clubbing, Experimental und interdisziplinäre Tanzstile sowie zeitgenössischen Tanz. Mit ihrem Label M.over Company entwickelt sie seit 2019 kontinuierlich Tanzproduktionen. Ihr Fokus liegt auf dem Transfer musikalischer Strukturen in den Tanz – durch Sampling, Loopen und Groove-Patterns. Zu ihren prägendsten Arbeiten, die an zahlreichen Festivals und Theatern präsentiert wurden, zählen die CARE-Serie (2018–2021), PLATTE (2022), RAVE:TURNAROUND (2023), NO TOMORROW (2024) und OSTOPIA (2025). 2024 bis 2026 war sie im Artist Development Program des LOFFT – DAS THEATER, und 2024 wurde sie mit ihrem Solo RAVE:TURNAROUND beim Avant Art Festival Thüringen ausgezeichnet. Sie ist regelmäßig als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig sowie in der Vollzeitausbildung der TanzZentrale Leipzig tätig.

LIFE OF A BIRD
Im Mittelpunkt der multimedialen Performance für einen Solo-Performer steht die Beziehung zwischen Mensch und Vogel, Vögel als musikalische Inspiration und Vögel als kulturelle Metapher. Zu hören sind verschiedene Musikstücke über Vögel – von bereits existierenden historischen Kompositionen zu neuen Kompositionen, die speziell für dieses Projekt aus Feldaufnahmen von Vogelgesang in der Stadt Leipzig aufgenommen und komponiert wurden sowie kurze Geschichten über Vögel – persönliche Geschichten über die eigene Beziehung zu Vögeln, aber auch Geschichten darüber, wie Vogelgesang als Inspiration für menschliche Lieder und Musikkompositionen dient, über die symbolischen Bedeutungen von Vögeln in verschiedenen Kulturen und Epochen sowie Geschichten über die Ökologie der Vögel.

Robin Becker, geboren in Zoetermeer/Niederlande,ist ein transdisziplinärer Künstler, Sänger, Komponist und Performer. Robins Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Musik, Stimmperformance, erweiterten und partizipativen Performanceformaten, Komposition und künstlerischer Forschung. Die Stimme betrachtet Robin als eine grundlegend verkörperte und politische Klangquelle, deren Möglichkeiten über die Grenzen von Sprache und standardisierter Gesangstechnik hinausgehen. Momentan studiert Robin bei der Sängerin und Choreografin Jule Flierl und der Medienkünstlerin Anna Zett an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Robins jüngstes Stück „Technologies of the Voice – a lecture performance cantata for solo vocalist“ wurde mit dem Studienpreis 2025/26 des HGB-Freundeskreises und der Sparkasse Leipzig ausgezeichnet.

IN.SANITIES
IN.SANITIES verknüpft Medienkunst und Tanz in einer multimedialen Solo-Performance und verhandelt Wahnsinn, Freiheit sowie „Un/Zurechnungsfähigkeiten“. Die Produktion flirtet mit der Vorstellung von Wahnsinn und fragt: Wer schreibt Wahnsinn zu? Welche wahnsinnigen Anteile stecken in uns? Wo darf Wahnsinn ausgelebt werden? Was also, wenn Wahnsinn ein spirituelles Werkzeug wäre, das uns hilft, Heilung in diese Welt zu bringen? Zwischen Pathologisierung und Freiheit, zwischen gesellschaftlicher Norm und individueller Ekstase. Die Performance fragt nicht danach, ob Wahnsinn existiert, sondern danach, wer ihn definiert – und was möglich wird, wenn eine Person beginnt, sich ihre Zuschreibung zurückzuholen und in etwas Eigenes zu verwandeln.

Senja Katharina Brütting ist queere, mixed-race Cutiepie-Performer*in und verbindet Spoken Word, zeitgenössischen Tanz und physisches Theater. Mit einem Hintergrund in Choreografie, Tanzpädagogik und Performance schafft Senja performative Erfahrungsräume und leitet Empowerment-Workshops für marginalisierte Personen. Senja interessiert sich für den Körper als Archiv unterbewussten Wissens, verkörperte Ancestrality, Wahnsinn, Lust als Widerstand und für Liebe. Zuletzt war Senja in "Cracks in Time and the Appearance of New Goddesses" (2024) zu sehen. Frühere Arbeiten umfassen "Manchmal, wenn ich eigentlich weinen will…" (2023), "My White Mother" (2022) und "A Lost Planet of Belonging" (2022). Sie ist Mitbegründer*in von Liquid Logic, ein interdisziplinäres Künstler*innenkollektiv, das sich zwischen Tanz, Sound, Ritual und futuristischer Cuteness bewegt.
mehr anzeigen
KATAPULT-Festival:
24. – 27. Juni 2027