Diskothek

Im November 2017 öffnet im Erdgeschoss des Schauspielhauses eine neue Spielstätte für die Diskothek ihre Pforten. Eine Bühne, die weiterhin allein der Gegenwartsdramatik gewidmet ist: Ein Reflektionsraum für unsere Gegenwart, ein Experimentalraum für neues Schreiben, ein Möglichkeitsraum für AutorInnen.
Mit dem Neubau setzen wir auch in der Programmatik neue Akzente: Lag der Fokus in der Diskothek bisher auf Uraufführungen deutschsprachiger Dramatik, so erweitern wir das Spektrum um neue Arbeits- und Begegnungsformate, um bereits uraufgeführte Theaterstücke, die einen erneuten Blick lohnen, sowie um neue Stimmen der Gegenwartsdramatik aus Europa und der Welt.

Die drei Eröffnungspremieren bilden dieses Spektrum ab: Mit einem Leipziger Nachspiel von Wolken.Heim eröffnen wir am 16.11. die neue Spielstätte. Elfriede Jelinek ist zugegebenermaßen eine der, wenn nicht die profilierteste Autorin von Gegenwartsdramatik im deutschsprachigen Raum – und führt grade deshalb als wegweisende Stimme der Theaterliteratur unser Diskothek-Programm in eine neue Spielzeit. Am 25.11. folgt die Uraufführung eines Auftragswerkes für die neue Diskothek von Sascha Hargesheimer (Choreographien der Arbeit) und am 2.12. eine deutschsprachige Erstaufführung der finnischen Autorin E.L. Karhu, die in ihrer feministische Shakespeare-Überschreibung „Prinzessin Hamlet“ mit einer neuen Bühnensprache experimentiert.

Im Anschluss an die ersten drei Premieren feiern wir mit drei Konzerten! Mit Sophia Kennedy, POLLY von Pollyester und Mary Ocher, die mit ihren Drummern „Your Government“ auftritt, werden nach den Vorstellungen drei Frauen mit einzigartigen Sounds die Bühnenbilder in der Diskothek erobern. Eintritt frei!

Die Diskothek denkt von den TheaterautorInnen aus, wobei die für das Theater Schreibenden auf vielfältige Weise in den Produktionsprozess von Inszenierungen eingebunden sind und sein wollen. In verschiedenen Formaten tragen wir in der Spielzeit 17/18 diesen unterschiedlichen Schaffensprozessen Rechnung: Der Autor David Lindemann entwickelt ein Stück mit und für ein Ensemble aus jugendlichen und erwachsenen SpielerInnen (Über die Grenze) und Heinz Helle dramatisiert im Austausch mit dem Regisseur Daniel Förster für das Schauspiel Leipzig einen eigenen Roman (Eigentlich müssten wir tanzen). Auch die Inszenierung vorab abgeschlossener Texte steht weiterhin auf dem Programm: Mit „Wolfserwartungsland“ und „Lebendfallen“ jeweils ein Erstlingswerk von den AutorInnen Florian Wacker und Enis Maci.

Mit dem Programm der Diskothek etablieren wir langfristige Beziehungen mit AutorInnen und ihren Werken: Allzu oft erleben Theaterstücke nur ihre Uraufführung und eine Erstaufführung im benachbarten Ausland und werden danach von keinem Theater mehr auf den Spielplan gesetzt. Dies ist weniger das Symptom einer bisweilen behaupteten geringen Halbwertzeit von Gegenwartsdramatik. Vielmehr hat es mit einer Aufmerksamkeitspolitik in der Theaterlandschaft zu tun, die in der Konsequenz dazu führt, dass AutorInnen unter erheblichen Produktionsdruck permanent neue Texte schreiben, die als Uraufführung vermarktet werden können. Die Diskothek wird weiterhin als Ort für Weltpremieren jungen AutorInnen eine Plattform bieten. Gleichzeitig wird sie im Sinne nachhaltiger AutorInnenförderung aber auch ein Ort für Nachspiele, also zweite, dritte, vierte Aufführungen von Stücken unter dem Zugriff spannender RegisseurInnen. Diese Spielzeit macht neben der Eröffnungspremiere von Intendant Enrico Lübbe (Wolken.Heim) mit Alberto Villarreal einer der wichtigsten Theatermacher Mexikos den Anfang, der mit „paradies fluten“ des jungen Österreichischen Autors Thomas Köck seine erste Regiearbeit in Deutschland vorlegen wird.

Das besondere Geschenk einer mit den GegenwartsautorInnen geteilten Zeitgenossenschaft findet ab dieser Spielzeit seinen Niederschlag auch in verschiedenen Formaten, die uns über die Inszenierungen ihre Texte hinaus mit den AutorInnen ins Gespräch kommen lassen – Nachgespräche, Lesungen, Diskursrunden. Ab dem 16.11. ist in den Fenstern der Diskothek eine Videoinstallation aus Interviews mit den Autoren und Autorinnen der Diskothek (von Katja Herlemann und Katharina Merten) zu sehen. Eingeladen wurden alle AutorInnen, deren Stücke seit Beginn der Intendanz Enrico Lübbes in der Diskothek inszeniert wurden. Sie stellen sich drängenden Fragen zum Schreiben fürs Theater, zum Dasein als TheaterautorIn, zu ihren Hoffnungen für die Zukunft des Theaters. Die Schreibenden hinter den Theatertexten werden mit dieser Installation sichtbar gemacht: Die AutorInnen der Diskothek blicken aus den Fenstern des Theaters in die Stadt.

Autorengespräch & Der Autor an der Bar

Lernen Sie die AutorInnen hinter den Stücken kennen!

Mutmaßungen über die Wirklichkeit

„Mutmaßungen über die Wirklichkeit“ umkreist das Verhältnis von Fiktion und Realität. Mathias Zeiske von Edit und der Dramatiker Wolfram Lotz laden AutorInnen. Das letzte Mal war Katja Brunner (‚geister sind auch nur menschen‘) zu Gast, in dieser Spielzeit wollen wir weitere Synergieeffekte mit den TheaterautorInnen der Diskothek herstellen. Wo Lesung und Gespräch nicht weiterhelfen, wird mit dem Finger auf Realien gezeigt. Vom Text zum Material und von dort in die Welt. Eine Veranstaltung von Edit, Papier für neue Texte und Schauspiel Leipzig

4+1 – Treffen junger autorInnen

11. bis 13. April 2018
Ein Forum für den Nachwuchs: AutorInnen, die sich in der Ausbildung befinden, treffen mit ihren Texten auf Publikum. In Lesungen mit dem Ensemble und Gesprächen mit den AutorInnen stellen wir in der Diskothek das Schreiben fürs Theater in den Mittelpunkt und bilden eine Plattform des Austausches und des Ausprobierens für eine neue Generation von AutorInnen. Nach bereits zwei erfolgreichen Ausgaben dieses Nachwuchsfestivals für die TheaterautorInnen der Gegenwart gehen wir im Frühjahr 2018 in die dritte Runde.

Aus den Schreibschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind jeweils vier AutorInnen nach Leipzig eingeladen. Sie kommen von der Universität der Künste Berlin, vom deutschen Literaturinstitut Leipzig, vom Institut für Sprachkunst Wien, vom Literaturinstitut Hildesheim, vom Schweizerischen Literaturinstitut Biel und vom uniT DRAMA FORUM Graz.