Expertengespräche

am Schauspiel Leipzig
Seit der Spielzeit 2015/16 lädt das Schauspiel Leipzig regelmäßig Gäste ein, um die übergreifenden Themen der Spielzeiten oder einzelner Inszenierungen weitergehend zu diskutieren.
Ausgelöst vom Doppelprojekt „Die Schutzflehenden / Die Schutzbefohlenen“ nach Aischylos und Jelinek, sind seitdem immer wieder Expertinnen und Experten aus verschiedensten Wissensbereichen und Erfahrungsgebieten im Schauspielhaus, um sich Fragestellungen und Hintergründe noch einmal anders zu nähern, als jede Inszenierung es kann. In knapp 20 Veranstaltungen, in Gesprächen unter der Moderation von Dr. Jens Bisky von der Süddeutschen Zeitung oder in Vorträgen, hat sich auf diese Weise der theatrale Diskurs am Schauspiel Leipzig in unterschiedlichste Bereiche weiterverzweigt. Eine Unternehmung, die auch in der Spielzeit 2017/18 fortgeführt wird: Informationen hierzu finden Sie gleich im Anschluß.
Einen Rückblick auf die Veranstaltungen der vergangenen Spielzeiten finden Sie weiter unten auf der Seite.

Expertengespräche „Angst oder Liebe“

in der Spielzeit 2017/18
Der Publizist Willi Winkler war im Rahmen der begleitenden Vorträge zum Doppelprojekt „Die Maßnahme / Die Perser“ am 22. November 2017 zu Gast am Schauspiel Leipzig. Das Thema seines Vortrags war: „Die grauenhafte Unbedingtheit. Der deutsche Linksextremismus und 'Die Maßnahme'“.
Vor vierzig Jahren fand in der Bundesrepublik Deutschland mit dem sogenannten „Deutschen Herbst“ der Terror seitens der Rote Armee Fraktion seinen Höhepunkt. „Die Maßnahme“ gehörte zu den zentralen Texten, die innerhalb der RAF immer wieder zitiert wurden, insbesondere im Kreis der in Stammheim Gefangenen. Welches Denken seitens der RAF diesem Bezug zugrundelag und wie sehr literarische Bezüge generell eine Rolle spielten im theoretischen Denken und im Selbstverständnis der RAF, behandelt der Vortrag Willi Winklers, der 2007 mit der „Geschichte der RAF“ eines der Standardwerke veröffentlicht hat.

22. November 2017
Willi Winkler

Die grauenhafte Unbedingtheit.

Der deutsche Linksextremismus und „Die Maßnahme“
Vor dem Hintergrund der „Maßnahme“ ist der Osteuropa-Historiker und Publizist Prof. Karl Schlögel am 9. Dezember 2017 im Gespräch mit Dr. Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung) über die historischen Entwicklungen in der UdSSR und die stalinistischen Schauprozesse im Moskau der 1930er Jahre. Mit dieser Veranstaltung setzen wir die begleitende Reihe zu „Die Maßnahme / Die Perser“ fort.
Der Eintritt zum Gespräch ist frei. Um 19.30 Uhr folgt eine Aufführung „Die Maßnahme / Die Perser“.
9. Dezember 2017
Prof. Karl Schlögel

„Die Maßnahme“. Realität und Fiktion.

Anlässlich der Inszenierung von „Kasimir und Karoline“ in Leipzig ist Prof. Heinz Bude, einer der maßgeblichen Soziologen, zu Gast und wird die Entwicklung von Horváths Zeiten bis zur Gegenwart in den Blick nehmen. Der Eintritt zum Vortrag ist frei. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Aufführung „Kasimir und Karoline“ zu sehen.
11. Januar 2018
Prof. Heinz Bude

Kein starker Arm nirgends.

Das andere Proletariat im alten und neuen Kapitalismus.
Zum Abschluss der begleitenden Veranstaltungen zu „Die Maßnahme / Die Perser“ ist Dr. Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung) im Gespräch mit Gerd Koenen, der jüngst „Die Farbe Rot“ vorgelegt hat, eine weit gefasste Analyse des Kommunismus in seinen historischen Entwicklungen, Bedingungen und Folgen. Immer auch begleitet von literarischen Werken, großen Utopien und grimmiger Realität, steht „Die Maßnahme“ in einer langen Reihe von Werken, die die Ideengeschichte des Kommunismus hervorbrachte.
Der Eintritt zum Gespräch ist frei. Um 19.30 Uhr folgt eine Aufführung „Die Maßnahme / Die Perser“.
12. Januar 2018
Gerd Koenen

Die Radikalität der Gedanken und die Radikalisierung der Wirklichkeit.

Erzählungen vom Kommunismus und ihr Verhältnis zur Realität.
Weitere Veranstaltungen sind in Planung.

Expertengespräche „Woher Wohin“

in der Spielzeit 2016/17
In der Saison 2016/17 fanden in der Moderation von Dr. Jens Bisky von der „Süddeutschen Zeitung“ vier Gespräche statt, die sich speziell mit dem Motto der Spielzeit auseinandersetzten, „Woher Wohin“.
Parallel zu Produktionen wie „89/90“ und „KRUSO“ und den aktuellen politisch-gesellschaftlichen Debatten in Deutschland konzentrierten sich die ersten Gespräche auf die Frage der gewachsenen Entwicklung und der aktuellen Beziehung zwischen Ost und West: „Ist der Osten anders?“ und „Die Gesellschaft der Empörten“. Dem europäischen Blick und der Frage nach der Zukunft der EU angesichts diverser konträrer Wahlen und Volksabstimmungen galt die dritte Debatte. Das vierte Gespräch diskutierte das Spielzeitmotto mit Bezug auf die aktuelle Bedeutung der Religionen.
Gäste waren Prof. Heinz Bude und Dr. Gregor Gysi, der Politikwissenschaftler Prof. Hans Vorländer und der Soziologe Dr. Oliver Nachtwey, Daniel Cohn-Bendit und die EU-Abgeordnete Róża Thun sowie Dr. Johann Hinrich Claussen von der Evangelischen Kirche Deutschland und Rena Tali.
Einige der interessantesten Impulse der Debatten sowie die kompletten vier Gesprächsmitschnitte finden Sie hier.

Mit Bezug auf Brecht / Eislers Lehrstück, das das Schauspiel Leipzig in einem Doppelprojekt mit Aischylos' „Persern“ koppelte, begann eine Veranstaltungsreihe, die sich näher mit der „Maßnahme“ auseinandersetzte. Prof. Martin Sabrow sprach über das Selbstverständnis der kommunistischen Eliten in den 1920er Jahren, und Prof. Helmuth Kiesel beschrieb die Parallelen des Werks zu religiösen und totalitären Strukturen. Die Vorträge mit Bezug auf Brecht / Eislers „Maßnahme“ werden fortgesetzt. Alle Gespräche im Überblick, weitere Informationen sowie die Audiomitschnitte hier.

Expertengespräche zu „Die Schutzflehenden / Die Schutzbefohlenen“

in der Spielzeit 2015/16
Im Zusammenhang mit dem Doppelprojekt „Die Schutzflehenden / Die Schutzbefohlenen“ (Aischylos / Jelinek) wurden auf Einladung des Schauspiel Leipzig erstmals spezielle Inhalte und Fragestellungen der Thematiken beider Stücke vertieft. Elf Gespräche in der Moderation von Dr. Jens Bisky von der „Süddeutschen Zeitung“ diskutierten im Anschluss an die Vorstellungen mit Gästen aus Wissenschaft, Kirche und Stadtgesellschaft. Alle Gespräche im Überblick und weitere Informationen hier.
Unter dem Titel „Du weißt ja nicht, was die Zukunft bringt“ sind diese Gespräche im Verlag Theater der Zeit als Band 124 in der Reihe „Recherchen“ dokumentiert.
„Das Buch „Du weißt ja nicht, was die Zukunft bringt“ versammelt Ansätze darüber, wie man über Flucht sprechen kann – ungewöhnlich und unaufgeregt.“
taz