Mund-Stück

Ant Hampton & Rita Pauls (Heidelberg/Buenos Aires) / Artists in Residence
Der britische Performancekünstler Ant Hampton und die argentinische Schauspielerin und Autorin Rita Pauls reisen mit dem Zug, mit dem Bus und zu Fuß zur Mitte Deutschlands (genau zu der Stelle, wo der Pin auf Google Maps gelandet ist) und trampen von dort aus eine Woche lang kreuz und quer durch das Land. Mit dem wenigen Deutsch, das sie können, stellen sie den Menschen, die sie mitnehmen, eine Frage – „Was, denken Sie, sollte einmal gesagt werden?“. Sie erklären ihnen, dass sie die Antworten aufnehmen, um sie später auswendig zu lernen und sich auf diese Weise mit der Sprache vertraut zu machen. Die Menschen, denen sie in Deutschland begegnen, fahren, denken und sprechen gleichzeitig, und es fällt ihnen oft schwer, die richtigen Worte zu finden, um ihren Gedanken und Überzeugungen Ausdruck zu verleihen.

In „Mund-Stück“ tauchen die Worte und Stimmen wieder auf, synchron gesprochen von Ant und Rita, mit allen Denk- und Atempausen, Momenten des Suchens und Zögerns. Sie sprechen gleichzeitig und versuchen dabei, ihre körperlichen Reaktionen auf diesen ungewohnten Fluss von Lauten, Ansichten und stimmlicher Akrobatik unter Kontrolle zu halten (und scheitern daran). Und sie benutzen ihre gelernten Worte, um darauf Antworten zu formulieren.

Beide KünstlerInnen haben eine fortwährende Beziehung zu Deutschland. Rita hat durch ihre Urgroßeltern, die in den 30er Jahren vor dem Naziregime aus Berlin nach Argentinien flohen, einen deutschen Pass. Ant lebt mit einer deutschen Partnerin in Deutschland und bemüht sich um einen deutschen Pass aus privaten und politischen Gründen. „Mund-Stück“ experimentiert mit dem Prozess der Anpassung; was bedeutet es, sich einer Kultur zu öffnen und diese in sich aufzunehmen, und wie kann dieser Prozess eben jener Kultur einen Spiegel vorhalten?

Rita Pauls wurde 1993 in Argentinien geboren und lebt als Performerin und Autorin in Buenos Aires. Sie hat mit Künstler*innen wie Federico León, Dora García, Paula Salomón und Dudú Alcón Quintanilha zusammengearbeitet, wobei sie sich mit Sprache, Intimität und der Suche nach nicht-kontrollierten performativen Situationen auseinandersetzte. Momentan beschäftigt sich Pauls mit Lernerfahrungen und deren theatralen Qualitäten sowie dem Laufen als philosophischer und ästhetischer Praxis.

Die Arbeiten des britischen Performancekünstlers Ant Hampton (* 1975) sind trotz unterschiedlicher Inhalte immer gekennzeichnet von einer deutlichen Spannung zwischen strikten formalen und strukturellen Elementen und solchen, die im Moment der Aufführung gelebt und verhandelt werden. Aus seiner Strategie, Zuschauer*innen durch ungeprobte performative Situationen zu führen, entwickelte er in späteren Arbeiten kleinformatige, intime Projekte, die den Zuschauer selbst einbezogen, und in Cafés („Etiquette“) oder im Lesesaal einer Bibliothek stattfanden („The Quiet Volume“). Seine letzten Arbeiten verhandeln die Kunst nicht mehr als sicheren oder autonomen Ort, sondern bringen das Publikum dazu, tatsächliche Risiken einzugehen, mit realen Konsequenzen („Someone Else“, „The Thing“). 

www.anthampton.com
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Premiere am 14. Februar 2019

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Team

Konzept und Performance: Ant Hampton, Rita Pauls
Produktionsleitung: Livia Andrea Piazza

Trailer

Eine Produktion von Ant Hampton und Rita Pauls in Koproduktion mit Schauspiel Leipzig, Theater Rampe Stuttgart, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt/Main, NFT – Netzwerk Freier Theater.