Szenisches Projekt

Die Leiden des jungen Azzlack (UA)

Marco Damghani
Die Produktion ist online auf dringeblieben.de sowie analog in der Diskothek zu sehen.

Der junge A. ist hier aufgewachsen, ist hier zur Schule gegangen, hat hier sein Abitur gemacht und studiert. Er lebt in Europa und in einem seit Generationen von Einwanderung geprägten Land, ist womöglich hier geboren. In seinem Alltag wird er immer wieder mit Fragen konfrontiert, die sich einst ein junger Mann namens Werther nicht stellen musste, ein Anton, Benedikt oder Claudius wohl selten stellen muss. Auch wenn sein Name für manche fremd klingt, hat er den gleichen Pass wie sie und erzählt seine Geschichte von seinem Standort aus, aus Deutschland.

In seinem Monolog spricht A. über sich und spielt mit unseren Erwartungen, Vorurteilen und Zuschreibungen — den bewussten und unbewussten —, die selbst hinter bemühten Reflexionen, wohlgemeinten Einstellungen und Haltungen lauern. Doch auch die Sehnsucht nach Identität, die, kaum gefunden, wieder zerrinnt, kommt zur Sprache. Den Konflikt, die Literatursprache eines Goethe zu mögen, grammatikalisch besser als die meisten zu sprechen, die Geschichte und Kultur eines Landes zu atmen und mit großem Bemühen Liter um Liter reinheitsgebrautes Bier durch seinen Körper fließen zu lassen und trotzdem als Kanacke, Iraner, Migrant, Diaspora-Minderheit oder Flüchtlingskind eingeordnet zu werden, hat er selbst nicht heraufbeschworen.

Mit verschiedenen Kulturen und Sprachen aufwachsen und vertraut sein: Gerade in einer Zeit, in der viele Lebensläufe mit der Flüchtigkeit und Ortslosigkeit des „Globalen“ konfrontiert sind, werden Standortbestimmungen wichtig. Doch was verstehe ich unter Begriffen wie Zuhause oder Heimat? Und kann oder muss es das überhaupt für mich geben? Die Suche führt den jungen A. durch teils absurde Situationen: von der Islamischen Revolution im Iran über einen Urintest am Straßenrand einer deutschen Großstadt bis hin zu Science-Fiction-Serien, in denen sich MigrantInnen neben Racial Profiling auch noch mit Aliens rumschlagen müssen.

Welche Rolle darf er spielen, auf der Bühne, vor der Kamera, in unserer Gesellschaft? Warum fragt man ihn über seinen Familienhintergrund aus? Und warum bestimmt diese eine Facette seiner Identität so sehr das Bild, das die Menschen hier von ihm haben oder haben möchten? Wieso spricht der Grenzpolizist am Bahnhof lieber schlechtes Englisch mit ihm als seine Muttersprache? In seinem Solo erzählt A. mit Humor, Sarkasmus und Hintersinn und manchmal auch mit Wut über ein Leben, das von mehrfach gebrochenen Selbst- und Fremdzuschreibungen geprägt wurde.

Marco Damghani wuchs in Hamburg auf und studierte an der HfS „Ernst Busch“ und am National Institute of Dramatic Arts Sydney Regie. Er ist als Regisseur, Autor und Moderator tätig. „Die Leiden des jungen Azzlack“ ist seine erste Arbeit am Schauspiel Leipzig. Der Schauspieler Eidin Jalali, geboren 1992 in Teheran und aufgewachsen in Wien, studierte Schauspiel an der HfS „Ernst Busch“ Berlin und ist seit der Spielzeit 2020 / 21 festes Ensemblemitglied am Schauspiel Leipzig.
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Digitale Premiere am 12. Juni 2021
Analoge Premiere am 17. Juli 2021

Nächste Termine

https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Mi, 23.06. 20:00 — 21:15
Online
https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Di, 29.06. 20:00 — 21:15
Online
https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Sa, 17.07. 20:00 — 21:15
Diskothek
https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
So, 18.07. 20:00 — 21:15
Diskothek
https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Fr, 23.07. 20:00 — 21:15
Online

Besetzung

Team

Text und Regie: Marco Damghani
Bühne und Kostüme: Hugo Gretler
Dramaturgie: Benjamin Große
Bühnenmeister: Konrad Ruda
Licht: Sebastian Elster
Ton: Heribert Weitz
Video: Gabriel Arnold
Theaterpädagische Betreuung: Amelie Gohla
Mit freundlicher Unterstützung des Freundeskreis Schauspiel Leipzig e.V. und der Peter-Welzel-Stiftung