Mein Freund Harvey

von Mary Chase
Deutsch von Alfred Polgar
Elwood P. Dowd ist völlig unauffällig. Mittelalt und mittelgroß, sehr höflich und sehr zuvorkommend. Seit er nachts an einer Straßenlaterne von Harvey angesprochen wurde, machen Elwood und Harvey alles gemeinsam: Sie gehen zu zweit in den Park, ins Konzert und in die Kneipe. Elwood teilt mit ihm sein Leben: sein Haus, seine Gedanken und seine Zeitungsabos.

Harvey allerdings ist ein großer weißer Hase. Ein Puka, zwei Meter zehn. Sehr höflich, sehr zuvorkommend, sehr unsichtbar. Denn niemand außer Elwood hat diesen Harvey je gesehen.

Für Elwood ist das kein Problem, er scheint das gar nicht zu bemerken. Aber für Elwoods Schwester Veta Louise und ihre Tochter Myrtle Mae ist es ein Problem. Denn sie wohnen im gleichen Haus wie Elwood (und eventuell Harvey) — allerdings zunehmend vereinsamt. Denn wen kann man noch zum Dinner einladen, wenn dem Besuch spätestens zum Dessert von Elwood sein Freund Harvey vorgestellt werden wird? Es ist also klar: Es muss etwas passieren.

Veta beschließt, Elwood in der Anstalt von Prof. Chumley unterzubringen. Allerdings — je länger Elwood in dieser Klinik ist, desto unsicherer wird die Annahme, dass es Harvey nicht gibt. Denn immer mehr Leuten scheint nun Harvey selber zu begegnen, Veta und auch Prof. Chumley nicht ausgenommen. Und was wird mit dem freundlichen, großzügigen und herzlichen Elwood passieren, wenn nach der Behandlung der Hase vielleicht weg ist, aber dafür die blanke Realität übrig bleibt?

Nach „Der Gott des Gemetzels“ und „Der nackte Wahnsinn“ setzt das Schauspiel Leipzig die Reihe der Theater-Komödien fort: „Mein Freund Harvey“ war das dritte Stück der Autorin Mary Chase und wurde 1945 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, der Premiere am Broadway folgten 1.775 Aufführungen. Die Verfilmung mit James Stewart 1950 machte den großen weißen Hasen dann weltberühmt. Aber „Mein Freund Harvey“ ist und bleibt, was es zuallererst war: eine großartige Theaterkomödie — und ein charmantes Plädoyer für Toleranz, ein Plädoyer für den unsichtbaren Hasen in unser aller Leben.

Es inszeniert, wie auch bei „Der Gott des Gemetzels“ und „Der nackte Wahnsinn“, Schauspielintendant Enrico Lübbe. Die Bühne gestaltet Etienne Pluss, der im November 2019 mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2019 in der Kategorie Bühnenbild ausgezeichnet wurde, für die Inszenierung „Violetter Schnee“ in der Regie von Claus Guth an der Staatsoper Unter den Linden Berlin. Mit „Mein Freund Harvey“ setzt Etienne Pluss seine langjährige Arbeit am Schauspiel Leipzig fort, nach u. a. den Bühnenbildern zu „Faust I + II“, „Die Maßnahme / Die Perser“, „Der nackte Wahnsinn“ sowie „Der Gott des Gemetzels“. Zukünftige Projekte mit Claus Guth führen Etienne Pluss an das Bolschoi-Theater Moskau und die Metropolitan Opera New York.
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Pressestimmen

Das Stadtjournal
„Zum Glück wird hier mal kein schenkelklatschendes Theater geboten (das zwar auch seine Berechtigung hat), sondern eine dezente Aufführung mit Verstand und Gefühl und selbstredend auch mit viel Spaß. Und darum sollte man sie unbedingt besuchen!“
Freie Presse
„Das ist handwerklich beachtlich.“
KULTURA-EXTRA
„Michael Pempelforth spielt diese stets freundliche, zunächst recht naiv wirkende Frohnatur als vollkommen in sich ruhenden Menschen, während sich um ihn herum alles in Wahnsinn aufzulösen scheint. Das reizt natürlich zur komödiantischen Übertreibung, der sich der Intendant des Schauspiel Leipzig und Regisseur des Abends Enrico Lübbe allerdings nicht ergibt. Seine Inszenierung setzt auf differenziertere Töne.“
Kunst und Technik
„Höhepunkt aber ist die Figur, die nur Elwood als Handelnder sieht. Nein, nicht Harvey, den Hasen, sondern den betagten Butler Tilo Krügel. Die gute Seele des Hauses muss schon Jahrzehnte fürs Wohl der Bewohner wohl sorgen [...] Ein dramaturgischer Kniff, der die betagte Erzählung wunderbar aufpeppt. Und Tilo Krügel, der kann‘s halt: Wir haben Mitleid und Scheu, fühlen uns beim Lachen über den armen Alten ertappt.“
Leipzigs Neue Seiten
„Ein gelungener, nachdenklich stimmender und zugleich fröhlicher Abend. Gute Komödien sind
eigentlich Tragödien. Es bleibt die traurige Erkenntnis: Wer höflich ist, ist verrückt. Intendant und Regisseur Enrico Lübbe gelingt mit seinem Chefdramaturgen Torsten Buß und
dem Bühnenbildner Etienne Pluss sowie der Kostümdesignerin Bianca Deigner ein großartiger
Abend.“
Leipziger Volkszeitung
„Etienne Pluss hat die Bühne detailverliebt in eine mondän-morbide Vorhalle verwandelt, mit verschmutztem Oberlicht, milchigen Fenstern, Orgel, bizarr in die Höhe verlegtem Regal und hinreichend Türen für Auf- und Abgänge. [...] Michael Pempelforth spielt Elwood in unerschütterlicher Sonnigkeit. Ein bescheidener Menschenfreund mit nie versiegendem Interesse am Gegenüber. [...] Tilo Krügel, ein Glücksgriff, geistert als hinfälliger Butler durch die Szenen, zu bizarren Altersverrenkungen gestaucht, mal Torte balancierend, dann wieder an der Leiter baumelnd. Jederzeit droht ein Sturz, fragil wirkt all sein Tun, womit er wie ein Sinnbild für all die so leicht zu erschütternden Personen wirkt.“
MDR Kultur
„Es ist eine Inszenierung im Schneckentempo, mit einem staubtrockenen Witz, die bis in die Details – neben der Schauspielerei auch Bühne und Kostüme – sehr, sehr gut gearbeitet ist!“
Mitteldeutsche Zeitung
„Am Schauspiel Leipzig kommt die marode Opulenz der hinreißenden Bühne von Etienne Pluss hinzu – mit ihrer verdächtig kompatiblen Balance zwischen bürgerlichem Salon und psychiatrischer Klinik.“
Sächsische Zeitung
„Michael Pempelforth’ Elwood zum Beispiel ist ein naiv-melancholischer Pan Tau.“
Premiere am 18. Januar 2020

Nächste Termine

Spieldauer

ca. 2:30, eine Pause

Besetzung

Michael Pempelforth als Elwood P. Dowd
Annett Sawallisch als Veta Louise Simmons, seine verwitwete Schwester
Katharina Schmidt als Myrtle Mae, deren Tochter
Dirk Lange als Omar Gaffney, Anwalt der Familie Dowd
Denis Petković als Dr. William R. Chumley, Psychiater
Anne Cathrin Buhtz als Betty Chumley, seine Frau / Mrs. Ethel Chauvenet
Julia Berke als Ruth Kelly, Oberschwester in Chumleys Sanatorium
Thomas Braungardt als Marvin Wilson, Angestellter des Sanatoriums
Julius Forster als Dr. Lyman Sanderson, Psychiater
Christoph Müller als E. J. Lofgreen, Taxi-Chauffeur

Team

Kostüme: Bianca Deigner
Dramaturgie: Torsten Buß
Licht: Ralf Riechert

Trailer