Frau Ada denkt Unerhörtes (UA)

von Martina Clavadetscher
Von den Persönlichkeiten, die augenscheinlich im falschen Zeitalter geboren wurden, ist sie eine der schillerndsten: Ada Lovelace, die heute als Visionärin des Digitalzeitalters gilt. Ihre Mutter fürchtete, in ihr könne sich die zerstörerische dunkle Romantik ihres Vaters, Lord Byron, durchsetzen, und hielt sie an, Mathematik zu studieren.
Lovelace setzte sich wissenschaftlich mit Entwürfen des Mathematikers Charles Babbage zu einer dampfgetriebenen Rechenmaschine auseinander und erkannte, dass eine solche Maschine nicht nur rechnen, sondern auch Sprache und sogar Musik darstellen könnte. Sie legte so begriffliche Grundlagen für die multimediale Welt, in der wir heute leben.
Gleichzeitig steht sie für eine Gesellschaft, die Frauen systematisch an der Entfaltung ihres Potentials hinderte. So konnte sie nicht unter ihrem Namen publizieren und erhielt keinen Zugang zu wissenschaftlichen Bibliotheken.

Martina Clavadetscher erzählt das kurze Leben von Ada Lovelace, die 1852 im Alter von 36 Jahren starb, wie einen Fiebertraum zwischen phantastisch-visionärem Denken, fragiler Körperlichkeit und gesellschaftlichen Zwängen. Ada entwickelt Vorstellungen von Flugmaschinen und perfekten mechanischen Puppen. Noch im Sterben beschäftigt sie das Phantasma eines optimierten Körpers, dem Krankheit nichts anhaben kann.
Es folgt ein Zeitsprung in ein Forschungslabor unserer Gegenwart, in dem drei ambitionierte Wissenschaftler an einer künstlichen Intelligenz arbeiten. Der Roboter entwickelt nach und nach ein eigenes Bewusstsein, nennt sich Ada und gerät in eine sich immer weiter radikalisierende Selbstoptimierungsschleife.

Mit „Frau Ada denkt Unerhörtes“ kommt zum ersten Mal ein Text der Schweizer Autorin Martina Clavadetscher am Schauspiel Leipzig zur Uraufführung. In der Spielzeit 2013 / 2014 war sie Hausautorin am Luzerner Theater; 2016 wurde ihr Stück „Umständliche Rettung“ mit dem Essener Autorenpreis ausgezeichnet und für den Heidelberger Stückemarkt nominiert. Ihr Roman „Knochenlieder“ erhielt 2016 den Preis der Marianne und Curt Dienemann-Stiftung und wurde 2017 für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Regisseurin Katrin Plötner hat Schauspielregie an der Universität Mozarteum Salzburg studiert. Ihre Diplominszenierung „Angriffe auf Anne“ wurde 2011 zum Europäischen Festival für junge Regie „Fast Forward“ eingeladen. Plötner inszeniert regelmäßig an zahlreichen Häusern, darunter das Residenztheater München, Landestheater Linz, Staatstheater Darmstadt und Schauspiel Frankfurt. „Frau Ada denkt Unerhörtes“ ist ihre erste Inszenierung am Schauspiel Leipzig.
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Pressestimmen

Kunst und Technik
Jawohl „Frau Ada denkt Unerhörtes“ ist ein passender Text zur Zeit. Die Autorin Martina Clavadetscher holt uns eine Pionierin neuen Denkens heraus aus der Vergessenheit.
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Leipzig Almanach
Julius Forster und Felix Axel Preißler eignen sich in erstaunlicher Präzision das Puppenhafte an, sind schon gar keine menschlichen Körper mehr, um dann rasant in klamaukige Spielszenen zu springen. Etwa in den Kongress, an dem Ada (Katharina Schmidt) teilnimmt und Sir Babbage (Felix Axel Preißler) kennenlernt, zu dessen Erfindung sie ihre berühmten Programmiernotizen, die „Notes“ verfasste. Der Wechsel zwischen Mensch und Maschine ist nur eine der Facetten, die an Katharina Schmidt so überzeugen.
Leipziger Volkszeitung
„Schmidt übersetzt die inneren Kämpfe der historischen Ada in ein herausragendes Minenspiel mit vor Gier funkelnden Augen. […] Und ebenso beeindruckend verwandelt sie sich im Labor unmerklich vom Roboter mit monotoner Computerstimme in ein vom Menschen nicht unterscheidbares Konstrukt. […] Eine fließende Metamorphose, die sich in dem klug komponierten und choreografierten Abend leitmotivisch in der Bewegungssprache abbildet.“
Schweizer Buchjahr
„Martina Clavadetscher hat in ihrem Theaterstück aus dem kurzen Leben von Ada Lovelace einen regelrechten Fieberrausch geschaffen. Damit umgeht sie gekonnt die Hürde, eine ganze Biographie bühnentauglich zu verarbeiten, und verdichtet den inneren Konflikt dieser hin- und hergerissenen Frauenfigur zu einer mitreißenden Versuchsanordnung. […] Regisseurin Katrin Plötner übersetzt diesen Kampf von Clavadetschers Protagonistin auf der Bühne mit einfachsten Mitteln in eine faszinierende Körperlichkeit. […] Dazu ist es eine große Freude, Katharina Schmidt in der Hauptrolle zuzusehen. Ihr gelingt eine mitreißende Verkörperung einerseits der zerbrechlichen Ada, andererseits des furchteinflößenden, völlig emotionslosen ES.“
Süddeutsche Zeitung
Die junge, empathisch sich in Ada hineindenkende Katharina Schmidt ist mitreißend in dieser Rolle. Im schwarzen Samtkleid gegenüber der Mutter oft eine gebeugte Haltung einnehmend, erwacht sie auf den Schwingen des Intellekts zu ansteckender Kraft und Größe.
Uraufführung am 27. September 2019

Nächste Termine

https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Sa, 16.11. 20:00 — 21:30
Diskothek
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Sa, 30.11. 20:00 — 21:30
Diskothek
https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Sa, 07.12. 20:00 — 21:30
Diskothek
https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Fr, 27.12. 20:00 — 21:30
Diskothek

Spieldauer

ca. 1:30, keine Pause

Team

Kostüme: Johanna Hlawica
Dramaturgie: Benjamin Große
Licht: Thomas Kalz