Spafrica — Die Quelle

Julian Hetzel (Amsterdam) / Artists in Residence
Julian Hetzel bringt in seiner neuen Performance Transparenz in die trübe Politik des Wassers. Die Performance ist eine Reise für all jene, die nach Wissen über die Komplexität von Wasser als Konfliktstoff dürsten. Das Projekt beleuchtet Wüstenbildung, Klimamigration, Konsum und Wohltätigkeit — und verbindet Symptome und Ursachen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Im Zentrum des Projekts steht ein neues und nachhaltiges Produkt, das ebenso konfliktträchtig wie eindeutig ist: abgefülltes Trinkwasser, das aus den Regionen südlich der Sahara stammt und als nachhaltiges Luxusgut nach Europa importiert wird. Die Aufführung ist als Produkteinführung von SPAfrica — The world’s first empathy drink angelegt. Die aberwitzige Geschichte dieses in Flaschen abgefüllten Wassers stellt die Beziehung zwischen Produkt und Verbrauch in Frage: verstörend und ethisch fragwürdig, aber dennoch frisch und aufregend. Jeder Meter der 9.000 km weiten Reise durch die Sahara und durch das Mittelmeer bis in die Regale der Geschäfte in Mitteleuropa trägt zum Wert des Produkts bei. Der freie Verkehr von abgefülltem Wasser verdeutlicht den Kampf der Menschen, die in den Ländern leben, in denen es produziert wird. Im Jahr 2010 verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Resolution, in der das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen bekräftigt wurde. Heute befinden sich etwa 70 % der Süßwasserressourcen der Welt in privater Hand. Multinationale Konzerne besitzen große Teile des blauen Goldes der Erde und vermarkten es als Handelsware.

„SPAfrica — Die Quelle“ stellt ein unkonventionelles Geschäftsmodell vor, ein System der Kreislaufwirtschaft, das Schuld in Hoffnung umwandelt und das Kommerz, Wohltätigkeit, Kunst und Performance zu einer hybriden Erfahrung verbindet — alles mit der Absicht, einen radikalen Wandel im Umgang mit globalen Ressourcen zu fördern. Eine Performance über postkoloniale Interdependenzen, Dekadenz und Lebenshunger. Prost!

Julian Hetzel wurde im Schwarzwald geboren und lebt in Amsterdam. Er arbeitet als Regisseur, Musiker und Künstler. Im Dreieck von Theater, Musik und Medien entwickelt Hetzel Stücke und Installationen, die eine politische Dimension haben und einen doku-fiktionalen Ansatz verfolgen. Hetzel studierte bis 2008 Visuelle Kommunikation an der Bauhaus-Universität in Weimar. Nach seinem Abschluss setzte er seine Ausbildung an der Kunsthochschule DasArts in Amsterdam fort. Zwischen 2014 und 2016 war Hetzel Artist in Residence des SPRING Festival für Performing Arts Utrecht, seit 2017 werden seine Arbeiten vom Kunstzentrum CAMPO in Gent, Belgien, koproduziert. Hetzel ist Mitbegründer der Leipziger Elektropop-Band Pentatones. In der Residenz waren bereits seine Stücke „I’m Not Here Says The Void“, „The Automated Sniper“, „all inclusive“ sowie zuletzt „Mount Average“ zu sehen.

www.julian-hetzel.com
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Leipzig-Premiere am 8. Juni 2023

Besetzung

Ntando Cele als Performer

Team

Konzept und Regie: Julian Hetzel
Dramaturgie: Miguel Melgares
Artistic advisor: Sodja Lotker
Eine Koproduktion von Studio Julian Hetzel (Amsterdam) mit Residenz Schauspiel Leipzig, CAMPO (Gent), Onassis Foundation
(Athen) und SPRING Festival (Utrecht).

Gefördert durch: