La Bohème (UA)

Träume // Leipzig
Ein Musiktheaterprojekt von Anna-Sophie Mahler und Anne Jelena Schulte
„An Träumen und Luftschlössern ist meine Seele Millionärin“, heißt es in Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“ von 1896: Die an Träumen so reichen Künstlerfreunde leben ein Leben am Rande der Armut. So groß ihre Liebe zum Leben ist, so gefährlich ist die Realität, die irgendwann in Gestalt von Krankheit den Tod bringt.
Das Spannungsgeflecht von Selbstverwirklichung und Gesellschaft, Freiheit und Risiko hat sich in der Gegenwart nicht aufgelöst — ebenso wenig der Traum von einer Möglichkeit des Zusammenlebens jenseits der Normen.
Autorin Anne Jelena Schulte und Hausregisseurin Anna-Sophie Mahler haben sich in Leipzig auf die Suche gemacht nach Orten der Utopie und der Gemeinschaft. Gefunden haben sie in ihren Recherchen eine Gemeinschaft und einen Ort am Rand der gesellschaftlichen Wahrnehmung, einen Ort am Rand gesellschaftlicher Absicherung. Mit einer Freiheit, die wiederum nicht ohne Abgrund ist, und sehr fragil — von außen und von innen.
Auf Basis dieser Recherchen komponieren Anna-Sophie Mahler und Anne Jelena Schulte zusammen mit dem Komponisten Arno Waschk eine neue „Bohème“. Eine, die die Gegenwart im Blick hat und so die Oper und ihre Themen neu hinterfragt. Eine „Bohème“ der Gegenwart, die wenig mit den Kunstschaffenden der Feuilletons zu tun hat, aber viel mit unserer Gesellschaft.

Nachgespräche Extra am 19. Juni um 21:15

zu „La Bohème. Träume // Leipzig“ und „Undine“
Wie wollen wir in unserer städtischen Öffentlichkeit zusammenleben, Freiräume gestalten und nutzen? Diese und andere Fragen möchten wir in drei „Nachgesprächen Extra“ zur Produktion „La Bohème“ diskutieren und vertiefen. Am 19.6. ist die Autorin Anne Jelena Schulte im Gespräch mit Stadtsoziologe Prof. Dr. Dieter Rink, „Department Stadt- und Umweltsoziologie Helmholtz-Zentrum Leipzig“, und Ariane Jedlitschka von „Helden wider Willen e. V.“ zum Thema Stadtentwicklung.
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Pressestimmen

LVZ
„[D]iese Bohème stellt als beachtliches Dokumentar-Theater authentische Träume vom Rand der Gesellschaft auf die Bühne. Regisseurin Mahler und Autorin Anne Jelena Schulte haben recherchiert, ein inzwischen geräumtes Zeltlager hinter dem Leipziger Hauptbahnhof besucht, den Ex-Junkie Christian befragt, den eine Faust-Rolle am Leben hielt, eine Kubanerin interviewt, die einst auf der Insel im Cabaret tanzte und im Winter erstmals ins stumme Deutschland kam. [...] Insgesamt gelingt es dem Ensemble, den Figuren Würde zu verleihen, ohne sie zu Romantisieren [sic!]. Männer in Frauenrollen und umgekehrt verfremden die Vorbilder. [...] So entsteht ein mutiger, ein konsequenter Abend, voller Respekt für die Menschen und ihre Ideale, ohne sie und ihre Ziele zu verklären.“
MDR Kultur
„Aus dem Programmheft, das man diesmal kaufen und lesen sollte, erfährt der Zuschauer, dass die Bühnenhandlung ein reales Vorbild hat. Regisseurin Anna-Sophie Mahler und ihre Autorin Anne Jelena Schulte haben vor Ort in Leipzig nach Künstlern gesucht, die wie bei Puccini in prekären Verhältnissen leben. Gefunden haben sie einen Ort hinter dem Leipziger Hauptbahnhof. Eine Brache hinter Buschwerk und verfallene Baracken. […] ‚Prekär‘ bekommt plötzlich etwas von Utopie. Auch von Poesie. Wenn Katharina Schmidt als Franz auf der Schauspielbühne steht, unter dem Sternenhimmel mit Lederjacke und Fuchskragen, dann ist immer auch ‚der kleine Prinz‘ mit auf der Bühne. Fast ein Weihnachtsmärchen für Erwachsene. Obwohl das vielleicht zu verklärend wäre, angesichts der realen Geschichte, die auch eine Geschichte von Flucht und Vertreibung ist. Nämlich dann, wenn die Baracken einem Neubaugebiet weichen müssen. Spätestens hier bekommt die Handlung aber auch etwas universales und globales. […] Dieser Auftakt der neuen Hausregisseurin und ihres Teams war vielversprechend.“
nachtkritik
„Wie ein Leuchten, das kurz vergessen macht, dass da Plastik und keine Himmelskörper funkeln, wirkt die Musik, die in extrem reduzierter Form mit Cello, Piano und dem Gesang des Ensembles immer wieder die wichtigsten Momente der Oper und die Hoffnung auf ein Leben in Schönheit anskizziert. Der Sänger Hubert Wild materialisiert sich an ausgewählten Stellen aus der Musik wie ein androgyner Todes-Engel. Alles hält inne und schaut zu ihm, wie er mit schwarzem Kleid, funkelnder Totenschädel-Maske und eindringlicher Falsettschwingung das Elend zur Kunstform erhebt. Ob er Tod oder Leben bringt – egal – denn er bringt Schönheit und Schönheit ist Sinn.“
Premiere am 29. Oktober 2021.

Spieldauer

ca. 1:30

Team

Text & Recherche: Anne Jelena Schulte
Bühne und Kostüme: Katrin Connan
Musikalische Leitung: Arno Waschk
Dramaturgie: Benjamin Große
Cello: Natania Hoffmann
Licht: Ralf Riechert
Audiodeskription: Matthias Huber, Tomke Koop, Michael Scholz, Beatrix Hermens
Theaterpädagogische Betreuung: Swantje Willems

Trailer