Medea

von Euripides
Deutsch von Peter Krumme
Die stolze Königstochter Medea hat sich unsterblich in den griechischen Krieger Jason verliebt und hilft ihm, das Goldene Vlies zu rauben. Medea opfert ihre Familie und Heimat für Jason. Sie folgt ihm in die Fremde, nach Griechenland. Hier leben sie glücklich, hier kommen ihre Kinder zur Welt. Doch als sich Jason eine höhere Stellung am Hofe König Kreons erhofft, wendet er sich schließlich dessen junger Tochter zu und lässt Medea und seine Familie im Stich. Medea verzweifelt. Sie findet sich allein in einem Land zurückgelassen, auf das sie ihre gesamte Zukunft baute. Für Jason hat sie alles geopfert. Jetzt will man sie, durch Treuebruch, Verrat und Entzug ihrer Rechte, zum Exil zwingen, besser noch zur Selbstauslöschung. In die Ecke gedrängt, greift Medea zur radikalsten Tat: Sie tötet ihre eigenen Kinder.
Wer ist Medea? Euripides konfrontiert uns mit einer Figur, die uns – auch über 2.400 Jahre nach ihrem Entstehen – drastisch und radikal erscheint. Medea ist sich ihrer grausamen Tat bewusst. Sie denkt sie. Sie formuliert sie. Sie erschrickt vor ihr als letztlich irrationalem Schritt. Sie entscheidet sich dennoch, diesen zu gehen. Eine Handlung, die das Private weit verlässt und gegen gesellschaftliche Erwartungen und Strukturen angeht, durch die Medea weit ins Abseits gedrängt wird.
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Pressestimmen

Der Sonntag
„Indem Bothe die gebotenen Abstandsregeln beachtet und seinen Spielern so gut wie keine Aktion gestattet, bekommt diese Inszenierung oratorienhafte Züge: Die SchauspielerInnen sind ganz auf das Wort fokussiert, tragen ihre Gedanken und Gefühle in Dialogen und Rezitativen intensiv vor. Besonders eindringlich gelingt das den versierten SprecherInnen des Ensembles.“
Freie Presse
„Wer sie [Medea] ist, fragen wenige, oder nehmen sie als fühlendes Wesen ernst. Hier setzt Regisseur Bothe an. Statt also den Mythos zu modernisieren, bringt er ihn zum Sprechen.“
KULTURA-EXTRA
„Ein ziemlich düsterer Abend, der vor allem in den wohlgesetzten Worten und seiner starken Hauptdarstellerin ruht.“
Leipziger Volkszeitung
„Bothe nämlich ist eine ‚Medea‘ gelungen, die wohltuend unprätentiös und aufs Wesentliche konzentriert daherkommt.“
Kunst und Technik
„Euripides und seinem antiken Klassiker ‚Medea‘ vertraut Regisseur Markus Bothe, er vertraut dem Text, der Geschichte und vor allem seinem Ensemble. Kathrin Froschs schnörkellose Bühnengestaltung lenkt vom Geschehen nicht ab und gibt Assoziationen weiten Raum. Alle Darsteller beherrschen die Sprachkunst so, dass sie ihre volle Wucht entfalten kann. Das Publikum lauscht gebannt dem Fortgang der Tragödie […]. Bravo! Hier glückt dem Ensemble trotz aller Beschränkungen […] Kunst.“
nachtkritik
„Gut gebaut ist diese Grundkonstellation aus Bühnenbild (Kathrin Frosch) und markanten Lichtsetzungen (Jörn Langkabel), dass viel Spiel (und damit Luftturbulenzen etc.) nicht nötig ist. […] Aber diese ‚Medea‘ ist kein steriles Theatererlebnis, was vor allem Anne Cathrin Buhtz zu verdanken ist. Zwischen zerbrechlich und stark gelingt ihr eine Zauberin, die ganz Frau, nie Furie ist. Sie ist verletzt, will verletzen, zur blindwütigen Barbarin, bösen Fremden wird sie nicht degradiert. Sie ist einsam auf leerer Bühne, taumelt und füllt das Vakuum in den stärksten Moment dennoch völlig aus.“
Premiere am 12. Juni 2020

Spieldauer

ca. 1:30, keine Pause

Besetzung

Denis Petković als Jason
Lena Drieschner als Amme/Chor
Christoph Müller als Kreon, König von Korinth
Ellen Hellwig als Bote/Chor
Michael Pempelforth als Aigeus, König von Athen
Friedrich Steinlein, Yves Hinrichs als Kreons Gefolgsleute
Ronja Oehler als Kreons Tochter
Anton Littger, Lorenzo Vitagliano, Arthur A. Pathak, Theodor Helm als Zwei Söhne Medeas und Iasons

Team

Dramaturgie: Benjamin Große
Licht: Jörn Langkabel
Audiodeskription: Maila Giesder-Pempelforth, Matthias Huber, Renate Lehmann, Ina Klose
Theaterpädagogische Betreuung: Babette Büchele, Amelie Gohla

Trailer