Mount Average

Julian Hetzel (Utrecht) / Artists in Residence
In Julian Hetzels neuer Bühnenarbeit „Mount Average“ findet eine Gipfelkonferenz statt, auf der die Inhalte der Staubsaugerbeutel aus den Büros populistischer PolitikerInnen in einer forensischen Performance-Anordnung seziert werden. „Mount Average“ untersucht den Dreck rechtsnationaler Politik und hinterfragt Vorstellungen von der richtigen Ordnung der Dinge. Ausgangspunkt sind die europäische Identitätskrise sowie das Aufkommen von nationalistischen Strömungen, die zunehmend den politischen Diskurs beeinflussen.
Hetzel untersucht, wie die Rhetorik aus dem Bereich der Hygiene in aktuellen politischen Diskussionen verwendet wird. Dabei geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit Totalitarismus im Allgemeinen. Er richtet den Blick nicht nur nach rechts außen, sondern hinterfragt ebenfalls problematische Formen von Zensur und vorauseilendem Gehorsam, die sich aktuell entlang von neu definierten Kategorien politischer Korrektheit Bahn brechen. Es geht um das Konzept von Sauberkeit und um Systeme, die definieren, was in Ordnung ist und was nicht, was von wem gesagt werden kann und was nicht. „Mount Average“ behandelt die Frage nach dem Recht auf freie Meinungsäußerung und die der Kunstfreiheit — Fragen, die in Zeiten dynamischer Wertesysteme zunehmend brisant werden. Auf dem staubigen Gipfel entbrennt ein Kampf um Repräsentationsmonopole und Diskurshegemonie zwischen Neo-Faschisten und Neo-Puritanern. Wenn Political Correctness als die Gentrifizierung von Sprache verstanden werden kann, untersucht „Mount Average“ am Beispiel von Hygiene, wie Sprache als Waffe in der aktuellen politischen Auseinandersetzung eingesetzt wird. 

www.julian-hetzel.com

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Erstaufführung im deutschsprachigen Raum und Leipzig-Premiere im Dezember 2020