Diskothek


Die Diskothek: Ein Reflexionsraum für unsere Gegenwart, ein Experimentalraum für neue Texte und Gedanken. Die Spielstätte des Schauspiel Leipzig, die ausschließlich der Gegenwartsdramatik gewidmet ist.
Texte von Kristin Höller, E. L. Karhu, Sarah Kilter und Emre Akal, als Uraufführungen inszeniert von Katrin Plötner, Elsa-Sophie Jach, Thirza Bruncken und Pia Richter, werden in der Diskothek 2021/22 zu erleben sein.
Die Texte, so verschieden sie sind, befragen und hinterfragen Bilder und Selbst-Bilder: Bilder unserer Zeit, gegenwärtige Auffassungen und tradierte Erwartungen, Selbst-Bilder ihrer Figuren. Eine Verbindung liegt unter diesen Texten, ein ähnlicher Impuls begegnet immer wieder: Nicht die anderen entscheiden über mich, sondern ich selbst. Oder?

Ein Wahnsinn was Menschen einander“ ist das Theaterdebüt der Autorin Kristin Höller, ein Auftragswerk für das Schauspiel Leipzig: Vier Frauen aus verschiedenen Generationen, deren Wege sich oftmals kreuzten, geraten an einen Lebenspunkt, an dem unsicher ist, wie es mit ihnen weitergehen kann – sowohl gemeinsam als auch individuell. Es inszeniert, als ihre dritte Arbeit in der Diskothek, Katrin Plötner.
Schon längere Zeit gemeinsam leben Schwester und Bruder in „Für meinen Bruder“. E. L. Karhus neues Stück ist die Innensicht einer eigenwilligen Symbiose, von der nicht klar ist, wer welchen Anteil hat. Denn es spricht vor allem die Schwester. Und die hat sich einen detaillierten Überblick verschafft über das Leben ihres Bruders. Die Schwester hat den Überblick — aber bedeutet das auch, dass sie dazugehört? „Für meinen Bruder“ ist entstanden als Auftragswerk für das Schauspiel Leipzig und nach „Prinzessin Hamlet“ und „Eriopis“ E. L. Karhus nächster Text am Haus. Regie führt Elsa-Sophie Jach, die damit erstmals am Haus inszeniert.
Immer neu verhandelt wird die Position der Hauptfigur in „White Passing“ – mal ist sie Teil der Mehrheits-Gesellschaft, mal nicht. Je nachdem, ob man von ihrem Vater weiß, der aus Algerien stammt. Wieso soll sie deswegen nicht dazugehören? Und wieso meinen fortwährend andere, darüber entscheiden zu müssen? Und wieso wird das alles überhaupt immer noch diskutiert? Und so ist sie stete Grenzgängerin zwischen Welten: den Welten ihrer befreundeten hippen DINK-Paare, der Welt ihrer Familie in einem entgegengesetzten Viertel der Stadt und der Welt des Kulturbetriebs, der sie interessiert konsumiert. Alle wissen etwas über sie – aber wo ist sie eigentlich ganz verortet? Sarah Kilters „White Passing“ ist eines der drei Gewinner-Stücke im Wettbewerb der Autorentheatertage 2021 am Deutschen Theater Berlin. Die Uraufführung in Kooperation mit dem DT inszeniert Thirza Bruncken und setzt damit ihre Regiearbeiten in der Diskothek fort.
In „Hotel Pink Lulu“ gehen die Figuren dazu über, sich komplett zu erfinden. Und das auf staatliche Kosten. Draußen ist so was wie Pandemie oder Ausnahmezustand, und drinnen im titelgebenden Hotel darf, wer Glück hat, derweil ein Zimmer beziehen und sich die Persönlichkeit neu einrichten. Umfassend, digital und ganz anders als in echt: Träume werden endlich Wirklichkeit. Wer aber Pech hat, ist nur im Hotel, um bei denen zu putzen, die träumen dürfen. Emre Akal gewann mit „Hotel Pink Lulu“ den exil-DramatikerInnenpreis 2020 der Wiener Wortstaetten. Für die Uraufführung inszeniert Pia Richter erneut am Schauspiel Leipzig.
Komplettiert wird das Programm der Diskothek von der neuen Studioinszenierung — und natürlich von den Uraufführungen von Katja Brunner („DIE KUNST DER WUNDE“), Lukas Rietzschel („Widerstand“), Magdalena Schrefel („Ein Berg, viele“), Dorian Brunz („beach house“), Marco Damghani („Die Leiden des jungen Azzlack“) und Martina Clavadetscher („Frau Ada denkt Unerhörtes“).
Und im Rahmen der vierten Ausgabe unseres Festivals „4+1“ stellen wir im Sommer 2022 in Leipzig wieder aktuelle Texte, Zugriffe und Schreibweisen der Studierenden deutschsprachiger Schreibschulen vor.