Residenz

Die Residenz, Bühne für frei produziertes performatives Theater in der Spinnerei in Plagwitz, im Jahr zwei mit Corona-Erfahrung. Die vorangegangene Spielzeit planten wir zu einer Zeit, als Corona, Pandemie und Lockdown noch nicht zu unserem aktiven Wortschatz gehörten. Die Voraussetzungen könnten jetzt nicht gegensätzlicher sein.
Während das öffentliche Leben zum Schutz der Allgemeinheit eingefroren ist, stellen wir uns ein Programm im Theater vor, von dem wir im Moment nicht ahnen können, wie und sogar ob es stattfinden wird.
Das Programm der Residenz war in der Spielzeit 2020/21 von den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gleich doppelt betroffen: Wie überall konnten die geplanten Veranstaltungen nicht stattfinden. Aufgrund der Reisebeschränkungen konnten aber auch die europäisch ausgerichteten KünstlerInnen-Residenzen nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden.
Gleichzeitig erlebten wir eine durchweg solidarische Zusammenarbeit innerhalb der künstlerischen und institutionellen Netzwerke, die von Achtsamkeit, Respekt und Flexibilität getragen war. Und das, obwohl bei allen Beteiligten die Nerven angesichts der eigenen schwierigen Situation blank lagen. Vielleicht liegt darin die wichtigste performative Erfahrung der vergangenen Spielzeit, deren Wirkung nicht zu unterschätzen ist.
Wie weiter? Die Kapazität der Residenz als Veranstaltungsraum ist bis auf Weiteres drastisch eingeschränkt. Die Programmplanung insbesondere mit international arbeitenden KünstlerInnen ist in einer bisher nicht gekannten Dimension unsicher. Unsicher ist auch das Ereignis Theater als solches, das seinem Wesen nach auf der Echtzeitbegegnung von leibhaftig anwesenden Menschen in einem Raum beruht. Das Internet ist als Austragungsort eine Möglichkeit, aber in den seltensten Fällen die erste Wahl.
Die Konsequenz aus diesen Erfahrungen kann nicht sein, programmatisch in gestrige Nationalismen zurückzufallen und nur mit einheimischen KünstlerInnen Programme zu produzieren, die das Publikum vereinzelt vor den heimischen Bildschirmen erlebt. Gerade wegen der sozialen und körperlichen Unmittelbarkeit, des taktilen, sensorischen und haptischen Erlebens, das wir im Theater erfahren können, brauchen wir diese Differenzierungsangebote in der Wahrnehmung von Wirklichkeit und Möglichkeit. PerformancekünstlerInnen können solche Erfahrungsräume inszenieren.
Das Programm der Residenz gliedert sich in dieser Spielzeit in drei thematische Blöcke, die wir zusammen mit den KünstlerInnen gestalten. Dieses Format trägt den grundlegend veränderten Anforderungen an die Residenz als Produktions- und Veranstaltungsort für interdisziplinäre und internationale darstellende Kunst Rechnung. Die Themen des Programms sind auch ohne Pandemie virulent: Mit den ExpertInnen des Digitalen von doublelucky productions (Berlin) begeben wir uns in ein Treibhaus für Daten, mit dem KuratorInnenduo Marta Keil und Grzegorz Reske (Warschau) forschen wir nach aktuellen feministischen Strömungen politischer Performancekunst und mit der Choreographin Doris Uhlich (Wien) tauchen wir tief in die Ursuppe körperlicher Erfahrungen ein. Vor und zwischen den Themenblöcken wird es Raum geben, die uneingelösten Versprechen der vergangenen Spielzeit nachzuholen. Doch lesen Sie selbst.

Themenschwerpunkt 1

Humus im Treibhaus der Daten

In Zusammenarbeit mit doublelucky productions (Berlin)

Themenschwerpunkt 2

Breaking the Spell
Feministische Performance und Praktiken des Zusammen-Seins

In Zusammenarbeit mit Marta Keil & Grzegorz Reske (Warschau)

Themenschwerpunkt 3

Körper Kontakte

In Zusammenarbeit mit Doris Uhlich (Wien)