Das Schloss

nach dem Roman von Franz Kafka
Bei K.s nächtlicher Ankunft ist das Schloss vor lauter Nebel gar nicht sichtbar. Dafür die dunklen Augen, die K. beobachten, mustern, abweisen. Du bist nicht von hier, gehörst nicht dazu und wirst nie dazugehören, scheinen die Blicke zu sagen. Dabei ist K. durch einen Auftrag in das abgelegene Dorf gekommen, den Auftrag des Schlossherrn, als Landvermesser tätig zu werden. Doch darüber will niemand Bescheid wissen.
K.s Versuche, Eintritt in das Schloss zu erhalten, um mit dem Auftraggeber sprechen zu können, scheitern: Selbst die Türen, die sich ihm durch seine Geliebte Frieda, seine vermeintlichen Gehilfen Artur und Jeremias sowie den Schlossboten Barnabas zu öffnen scheinen, entpuppen sich als Trugschlüsse. K. sieht sich einem undurchschaubaren Labyrinth aus Zuständigkeiten und Machtverhältnissen ausgesetzt; einer Welt, deren Gesetze er nicht zu entschlüsseln vermag. Und so bleibt K. all seiner Anstrengung zum Trotz die gesamten sechs Tage, über die sich die Handlung zieht, ein Außenseiter: Sowohl das Schloss als auch die Dorfgemeinschaft verwehren sich ihm bis zuletzt — aber aufgeben, sich dem rätselhaften Bann des Schlosses entziehen und das Dorf zurücklassen, daran kann und will er trotzdem nicht denken.

K., wieder ein Protagonist, der durch Kafkas eigene Initiale gekennzeichnet wird. Als Weiterentwicklung des „Prozess“ sogar ohne Vornamen, nur mit einem einzelnen Buchstaben, der exemplarisch für die Fremdheit und Verlorenheit der Figur stehen kann.
Franz Kafka, der nach seinem Jurastudium für die Finanzierung seiner Autorenschaft „Brotberufen“ bei Versicherungen nachgeht und sich des Öfteren über die dort herrschende ermattende Bürokratie beklagt, beginnt 1922 seine Arbeit am Roman „Das Schloss“, bricht diese jedoch nach wenigen Monaten ab, ohne das Werk fertigzustellen. Sein Freund Max Brod veröffentlicht das Fragment 1924 nach Kafkas Tod — mit dem Hinweis, dass K. zwar am siebten Tage vor Erschöpfung sterben, durch die Erlaubnis, im Dorf wohnen und arbeiten zu können, aber zumindest teilweise Genugtuung hätte erhalten sollen. Doch ob Kafka das Werk wirklich fertigstellen wollte, noch dazu in solcher Wendung, bleibt zweifelhaft, denn er schreibt zu Lebzeiten, dass er die Geschichte für immer unvollendet liegen lassen müsse.

Philipp Preuss studierte Regie am Mozarteum Salzburg und arbeitet seit 2001 als freier Regisseur und bildender Künstler. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch installativ-atmosphärische Zugriffe sowie eine starke Bildsprache aus und waren u. a. am Schauspiel Dortmund, Schauspiel Frankfurt, Theater an der Ruhr Mülheim, Deutschen Theater Berlin, Residenztheater München und an der Schaubühne Berlin zu sehen. Seine Ausstellungen wurden u. a. in Bregenz, Wien und Mailand gezeigt. Seit der Spielzeit 2015 / 2016 ist Preuss Hausregisseur am Schauspiel Leipzig, wo er u. a. „Ein Sommernachtstraum“, „Peer Gynt“, „Gespenster oder Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“, Thomas Köcks „atlas“ und Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ inszenierte.
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Premiere am 25. April 2020

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Team

Bühne & Kostüme: Ramallah Aubrecht
Dramaturgie: Georg Mellert