The Juliet Duet

Erna Ómarsdóttir (Reykjavík) / Halla Ólafsdóttir (Stockholm) / Artists in Residence
Vorspiel auf dem Theater: Zwei isländische Choreographinnen sorgen im Jahr 2018 im Theater am Gärtnerplatz in München mit einem fulminanten „Romeo & Julia“-Ballettabend für Furore. 20 TänzerInnen, Orchester, jede Menge Kunstblut, echtes Feuer. Alle sind Romeo und alle sind Julia. Ein physisch intensives, ausuferndes Bühnenspektakel um eine der bekanntesten Liebesgeschichten der Weltliteratur. Mit ihrer neuen Produktion „The Juliet Duet“ knöpfen sich Ómarsdóttir und Ólafsdóttir das Ballettstück erneut vor und machen das genaue Gegenteil: Sie fokussieren ganz auf die Figur der Julia. Sie tanzen selbst und setzen anstelle der ganz großen Inszenierung auf die unmittelbare Begegnung mit dem Publikum. An Intensität wird jedoch nicht gespart. Sergei Prokofjews Partitur aus dem Jahr 1935 dient als Vorlage für ein Tanz-Konzert, in dem die Stimme als unsichtbarer Körper und die Musik als Erweiterung des Körpers im Raum eingesetzt werden.

Eine Audioversion von Shakespeares Drama dient als Ausgangspunkt und Kulisse, um mit Tanz als Mittel zur Generierung von Text zu experimentieren. Sie vermischen Sprache mit Bewegung und erfinden so den Originaltext neu. Das Resultat ist eine Art Tanz-Fiction, die eine bereits existierende Geschichte nutzt, um viele neue, unterschiedliche Geschichten, Themen und Erzählungen zu kreieren.

Ómarsdóttir und Ólafsdóttir teilen eine Hassliebe zum klassischen Ballett und die Ansicht, dass das Ballett von den unterdrückerischen Vorstellungen über Perfektion und Hierarchie befreit werden müsse, die lediglich tradierte Geschlechterrollen und Ungleichheit verstärkten. Dabei beabsichtigen sie, nichts weniger als einen Exorzismus an den jahrhundertealten repressiven Körperideologien des klassischen Balletts zu begehen. Für ihren Ballett-Exorzismus verwenden sie die Sprache des Balletts, seine Technik, Komposition, seinen Ausdruck und verschmelzen sie mit Aerobic, Schreiübungen und Headbanging. Choreographie verschmilzt mit Musik, Hexerei mit Hauswirtschaft. Körperprothesen, Haare, Konfetti, Kunstblut, Schweiß und Tränen wirbeln im Raum. Ein emotionales, trauriges, erschreckendes, hoffnungsvolles, schräges und ein humorvolles Stück Tanz steht zu erwarten.

Erna Ómarsdóttir tanzte in Stücken von u. a. Jan Fabre, Anne Teresa de Keersmaeker, Les Ballets C de la B, Björk oder Jóhann Jóhannsson, bevor sie sich in den letzten Jahren zunehmend auf ihre eigenen Choreographien konzentrierte. Seit 2018 ist sie künstlerische Leiterin der Iceland Dance Company in Reykjavík.
Die in Stockholm lebende isländische Künstlerin, Tänzerin und Choreographin Halla Ólafsdóttir widmet sich in ihrem Schaffen stets dem Bemühen, die Begriffe Tanz und Choreographie zu erweitern. Als Performerin spielte sie 2015 die Hauptrolle in dem Spielfilm „Under Influence“ von Sidney Leoni.


www.shalala.is
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Team

Choreographie und Performance: Erna Ómarsdóttir, Halla Ólafsdóttir
Bühnenbild: Chrisander Brun
Sounddesign und Video: Valdimar Jóhann
Musik: Stephen O’Malley, Sergei Prokofiev

Eine Koproduktion von Residenz Schauspiel Leipzig mit Shalala Reykjavík und Reykjavík Dance Festival