Der Mann aus Oklahoma

von Lukas Linder
//Gewinnerstück des Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker 2015
//Gewinner des Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2015
Fred ist Privatdetektiv. Lässig tritt er im Trenchcoat auf, die Frauen fliegen auf ihn. Fred steht sie gut, die Rolle des melancholischen Hollywoodhelden. Doch wenn seine Fälle gelöst sind,  führt er das Leben eines einfachen Jungen. Fred, der sich nicht nur auf die Suche nach seinem verloren gegangenen Vater begibt, sondern auch auf die Suche nach brauchbaren Vorbildern und Idealen. Er muss sich durch eine Welt manövrieren, in der jeder zuvorderst an der eigenen Rolle und an sich selbst leidet: seine Mutter sucht nach dem Verschwinden ihres Mannes schnellen und bequemen Ersatz - so landet Ehrlicher, ihr Konditionstrainer, als lächerlicher Vaterbehelf und Hausaufgabenhilfe in Freds Kinderzimmer. In der Schule ist jeder Mike angesagter als er und nach den geheimen Schulhofgesetzen können die Geilen nicht mit den Niedlichen und erst recht nicht mit den Hässlichen gehen. Doch Fred schlägt sich durch, er baut sich seine eigene Realität. Eine Realität, in der ihm die Spur einer Schale Erdbeeren zu seinem Vater führen wird – oder doch nur zu einem Bild davon.

Lukas Linder erzählt in seinem Drama die wirre, aber nie aussichtslose Suche eines Jungen nach Identifikation. Er skizziert dabei vor allem das Nicht-Angebot an Orientierungsmöglichkeiten, denen aber die vielfältigen Sehnsüchte gegenüberstehen. Die Suche nach sich selbst ohne Wegweiser führt geradewegs in die phantastische Gedankenwelt eines Jungen. In einer grotesken Überschreibung von Welt sind die Mütter zynische Biester und die Väter verkommen zu Versagern. Freds Blick auf diese Welt hält dieser Perspektive stand und wagt es optimistisch voran zu gehen. Letztlich wird die Schattenfigur, der Mann aus Oklahoma, zur Hoffnung auf ein besseres Leben.

Die Stadt Frankfurt (Oder), die Ruhrfestspiele Recklinghausen und das Kleist Forum Frankfurt (Oder) vergeben in Zusammenarbeit mit der Dramaturgischen Gesellschaft diesjährig zum 20. Mal den mit 7500€ dotierten Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker. In der Jury-Begründung zum Gewinnerstück „Der Mann aus Oklahoma“ des 1984 in Uhwiesen in der Schweiz geborenen Nachwuchsautors lautet es: "Lukas Linders virtuoses Stück „Der Mann aus Oklahoma“ ist weit mehr als eine klassische Vater-Sohn-Erzählung. In seinem Theatertext findet der Autor sowohl in der Figurenkonstellation wie auch sprachlich eine außergewöhnliche Form, die es ermöglicht, die Suche eines Jungen nach dem verschwundenen Vater in einer überzeichneten, witzigen Groteske zu erzählen und gleichzeitig die Sehnsüchte und Nöte des Kindes ernst nimmt. In atemberaubendem Tempo beschreibt Lukas Linder, teilweise mit comichaften Motiven aus amerikanischen Kriminalromanen, Familienklischees, Idole und große Themen wie „Selbstfindung“ und „Orientierung“. Ihm gelingt der Spagat zwischen aberwitziger Groteske, emotionaler Tiefe und gesellschaftlicher Relevanz."
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Pressestimmen

Deutschlandradio Kultur
„Ein extrem unterhaltsames, dabei hart und anspruchsvolles Stück“ […] und ein „sehr, sehr überzeugender Felix Axel Preißler in der Titelrolle.“
Die deutsche Bühne
Wie man kongenial ein Stück umsetzt, das zeigte Marc Lunghuß mit Lukas Linders "Der Mann aus Oklahoma" [...] Dieser Text ist reif fürs Repertoire.“
LVZ
„Preißler verwandelt sich von der ersten Sekunde an restlos überzeugend in Fred. [...] Der Inszenierung gelingt es unterhaltsam eine eher alltägliche Pubertätsstory ungewöhnlich zuzuspitzen.“
Märkische Oderzeitung
„Wie Preißler […] das Kindliche, den Schmerz seiner Figur offenlegt, ist ganz großes Theater. […] Von Schunck kongenial kostümiert – so verleihen die Hosen des sexsüchtigen Ehrlichers (Jonas Fürstenau) dessen Rolle auf schönste Weise Kontur –, spielt das gesamte Ensemble ziemlich auf den Punkt.“
mephisto 97.6
Eine „sehr überzeugende Umsetzung. Den Schauspielern ist es gelungen das ganze Potenzial, das in diesen Figuren steckt auszunutzen. Die Mutter könnte sarkastischer und verbitterter nicht sein, der Liebhaber könnte kein Stück alberner sein.“
nachtkritik.de
„Regisseur Marc Lunghuß hat Lukas Linders eher bravem "Coming of Age"-Stück "Der Mann aus Oklahoma" eine Schrillheitskur verschrieben – und damit [...] durchaus Kraft und grelle Komik gegeben.“
Tüpfelhausen – Das Familienportal e.V.
„Regisseur Marc Lunghuß inszeniert das Stück schwungvoll und unterhaltsam im besten Sinne. [...] Gelungen ist dem Schauspiel Leipzig damit etwas, das seinem Repertoire noch gefehlt hat, ein sehenswertes Jugendstück, dem man nur viele ZuschauerInnen wünschen kann. [...] Die Inszenierung überzeugt mit viel Komik, einfallsreichen Figuren und einem sympathischen Helden. Eindeutiges Victory!“
Uraufführung im Rahmen der Ruhrfestspiele Recklinghausen am 9. Juni 2015
Leipzig-Premiere am 11. Oktober 2015

Spieldauer

ca. 1:30, keine Pause

Team

Regie: Marc Lunghuß
Bühne & Kostüme: Tobias Schunck
Musik: Simon Bodensiek
Dramaturgie: Christin Ihle
Licht: Carsten Rüger
Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen und dem Kleist Forum Frankfurt/O