wohnen. unter glas

Ewald Palmetshofer
Manchmal gibt es im Leben Hindernisse. Barrieren. Sie halten einen auf. Unsichtbar, wie aus Glas. Man sieht durch sie durch, man sieht schon viel weiter. Aber man kommt nicht weiter. Drei Mittdreißiger treffen sich in einem Hotel. Zwei Frauen, ein Mann. Früher waren sie eine WG. Immer zusammen, immer viel gemacht. Dann kamen Kreuzungen, an denen jemand die andere Richtung genommen hat und dann noch jemand, einfach abgebogen, und einer blieb zurück. Muss ja sein, ist normal. Aber tut trotzdem weh, wenn aus Freunden Bekannte werden. Aber da ist diese große Hoffnung, dass das alles nur der lange Anfang ist von etwas Großem, Schönem. Es kommen ja noch viele Kreuzungen für alle. Der Zenit, der ist noch lange hin. Und dann gibt es dieses Treffen, das den anderen zeigen soll, wie weit man gekommen ist, wie weit man es gebracht hat. Die alten Muster, die gibt es nicht mehr. Die alte Zeit, da ist man drüber hinaus. Wenn man ganz ehrlich ist, war ja damals auch nicht alles so toll. Viel Notgemeinschaft, wenig Leben. Oder vielleicht doch nicht? Die Figuren in „wohnen. unter glas“ leben in einer Zwischenzeit. Sie wachsen aus etwas heraus – aber was ist das, in das sie jetzt hineinwachsen? Kann man der Vergangenheit noch glauben, die bisher die emotionale Basis geliefert hat fürs Leben, auch wenn sie mittlerweile echt lang her ist? Und andererseits – welche ist die Abbiegung, die man nehmen muss, um im richtigen Leben anzukommen? Kommt die noch oder war die schon? Aktuell jedenfalls geht es nicht wirklich gut voran. Gläserne Decken lauern überall, an denen es irgendwie nicht weitergeht. Und jeder kann dir dabei zusehen ... wohnen. unter glas.

Hochtourig und in einer sehr eigenen Sprache, zwischen enormer Lakonik und scheinbarer Ziellosigkeit, zwischen Alltagssprech und hochverdichteter Poetik, skizziert Ewald Palmetshofer ein sehr eindrückliches Stück Gegenwart über den langen Abschied von der Jugend, der bis tief ins Erwachsenenleben dauert. Die Karriere des österreichischen Autors begann 2005 mit dem Retzhofer Literaturpreis; „wohnen. unter glas“ wurde 2008 am Schauspielhaus Wien uraufgeführt und für den Nestroy-Theaterpreis nominiert. Seine Stücke wurden wiederholt am Schauspielhaus Wien uraufgeführt, am Nationaltheater Mannheim sowie zuletzt am Burgtheater Wien, und mehrfach zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen.
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Premiere am 14. Februar 2014

Spieldauer

ca. 1:20, keine Pause

Team

Autor: Ewald Palmetshofer
Regie: Matthias Kaschig und Enrico Lübbe
Bühne: Jürgen Höth
Kostüme: Agathe MacQueen
Dramaturgie: Torsten Buß
Licht: Olaf Lehmann