Das Vermächtnis - in zwei Teilen
(The Inheritance)
Ein so groß angelegtes Gegenwartspanorama wie Matthew Lopez’ „Das Vermächtnis“ ist etwas Außergewöhnliches in der zeitgenössischen Dramatik. In der Summe der Episoden, Figuren und ihrer Geschichten entfaltet das Stück einen so atmosphärischen wie berührenden Blick auf die Zeit der 2010er und 2020er Jahre — ein intensiv erzähltes Theatererlebnis für ein großes Spielensemble.
Das Schauspiel Leipzig verdichtet dieses Erlebnis noch: Das zweiteilige Stück ist als ca. siebenstündige Aufführung an einem Tag zu erleben. „Das Vermächtnis“, als wahrlich großer Gesang auf die Gegenwart, eröffnet die Saison 2026 / 27 „Wir-Gesänge“ auf der Großen Bühne.
Ein Vermächtnis ist zunächst eine Regelung im Erbrecht, mit der einzelne Werte aus dem eigenen Besitz gezielt jemandem zugesprochen werden können, losgelöst von der restlichen Erbschaft. Ein solches Vermächtnis ist das abgelegene Farmhaus, das Walter dem jungen Eric zuerkennt.
Beide lernen sich eher zufällig kennen, beide sind auf ihre Art allein: Walter ist es gewohnt, dass sein Mann Henry für Geschäftsverhandlungen in der ganzen Welt unterwegs ist; Erics Freund Toby ist seit Wochen versunken in den Proben für das Stück, das gerade aus seinem Erfolgsroman „Loved Boy“ entsteht. Die neue Freundschaft zwischen Walter und Eric aber endet jäh, als Walter plötzlich stirbt. Plötzlich zumindest für alle anderen: Er hatte niemandem von seiner Krebserkrankung erzählt. Aber er hat Eric eine unbekannte Welt eröffnet.
Beginnend im New York des Jahres 2015 kreuzen sich die Wege der Figuren: Zwei Paare stehen im Zentrum der Episoden, Walter und Henry sowie Eric und Toby. Viele weitere Figuren ergänzen das „Vermächtnis“.
In Szenen und Monologen, Rückblenden und Traumsequenzen begleiten wir sie alle über Jahre — ihre Hoffnungen, ihre Sehnsüchte und Ängste, ihre sehr verschiedenen Ansichten und Lebensentwürfe. Erfolg oder Geborgenheit, Privates oder Politisches — gibt es das nur einzeln oder auch zusammen?
Die Lebenswege der Figuren werden geprägt von individuellen Entscheidungen — aber mehr noch von Umständen und Bedingungen, die lange vor ihnen selbst in Geltung getreten sind. Vermächtnisse gewissermaßen.
Mit Walter, Mitte 60, und Eric, Anfang 30, begegnen sich auch zwei Generationen eines Lebensentwurfs, die unterschiedlicher geprägt kaum sein könnten: Die Offenheit und Selbstverständlichkeit, mit der Eric, Toby und beider Freundeskreis ihr Leben leben, war für Walter nie vorstellbar. Schweigen und Verschweigen war für ihn in seiner Jugend eine Lebensstrategie, als schwuler Mann in der US-Provinz. New York war für ihn die Zuflucht. Als er dort seinen späteren Mann Henry traf, lebte der noch mit Ehefrau und Kindern.
Zudem trennt ein großer Einschnitt die Generationen von Walter und Eric: HIV. Das Aids-Virus, das seit Ende der 1980er Jahre zahlreiche Leben kostete. Die Panik und Ausgrenzung, mit der die Gesellschaft auf diese Pandemie reagierte, hat das Leben von Walter und Henry geprägt. Walter stellte das Farmhaus dennoch all den Erkrankten zur Verfügung und kümmerte sich um sie, die sonst keinen Ort mehr hatten zum Bleiben und zum Sterben. Es war eine Zeit, in der Liebe immer auch Angst bedeutete. Walter und Henry haben es überlebt, aber der Preis war hoch.
Eric, Toby und ihre Freunde suchen ihren Platz im Leben. Sie glauben, dass ihnen die Welt offensteht. Sie nutzen ihre Freiheit. In ihrer Lebenswelt ist HIV beherrschbar. Verschwunden ist es nicht, und ist im Fall des Falles immer noch ein Vermächtnis, das über Generationen weitergegeben wird und das Leben desjenigen bestimmt. Etwa das Leben des jungen Leo.
Während die politischen Gewissheiten einen jähen Bruch finden durch die Wahl des Präsidenten Trump im Jahr 2016, werden die privaten Gewissheiten am meisten verändert durch das Verhalten jedes Einzelnen selber: Das Zusammenleben von Eric und Toby gerät unter den Schatten der Karriere, die sich Toby vom Erfolg am Theater erhofft. Sein größter Gegner dabei ist er selbst, während Henry beginnt, Interesse für Eric zu entwickeln. Und zwischen allen steht der junge Leo, auf unerwartete Weise mit mehreren von ihnen verbunden. Der Roman, den er aus seinem Leben am Ende schreiben wird, trägt den Titel: „Das Vermächtnis“.
Ausgezeichnet mit dem Tony Award 2021 für das beste Broadway-Drama, entfaltet „Das Vermächtnis“ in seinen beiden Teilen ein Gesellschaftspanorama, das über seine erzählte Zeit weit hinausreicht.
Als Vermächtnis an uns alle erweisen sich dabei auch jene Erfahrungen kollektiver Verwundbarkeit, wenn sich Unterschiede von Status, Begehren oder Lebensentwürfen auflösen in Zeiten von Krankheit, Angst oder Verlust. Und trotzdem gibt das Stück nie auf. Es glaubt daran, dass Menschen sich begegnen können. Dass Fürsorge möglich ist. Dass Gemeinschaft möglich ist.
„Das Vermächtnis“ erinnert daran, dass Gemeinschaft sich nicht in Selbstbildern bewährt, sondern im Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit. Wir alle leben in einem Vermächtnis. Wir sind nicht die Ersten. Und wir werden nicht die Letzten sein.
Mit dieser Inszenierung eröffnet Enrico Lübbe die letzte Spielzeit seiner Intendanz am Schauspiel Leipzig. Zum Regieteam gehören die Bühnenbildnerin Katrin Nottrodt, die nach „Luna Luna“ ans Schauspiel Leipzig zurückkehrt, sowie die Kostümbildnerin Sabine Blickenstorfer und Bert Wrede für die Musik — beide wirkten zuletzt an Shakespeares „Richard III“ mit.
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Das Schauspiel Leipzig verdichtet dieses Erlebnis noch: Das zweiteilige Stück ist als ca. siebenstündige Aufführung an einem Tag zu erleben. „Das Vermächtnis“, als wahrlich großer Gesang auf die Gegenwart, eröffnet die Saison 2026 / 27 „Wir-Gesänge“ auf der Großen Bühne.
Ein Vermächtnis ist zunächst eine Regelung im Erbrecht, mit der einzelne Werte aus dem eigenen Besitz gezielt jemandem zugesprochen werden können, losgelöst von der restlichen Erbschaft. Ein solches Vermächtnis ist das abgelegene Farmhaus, das Walter dem jungen Eric zuerkennt.
Beide lernen sich eher zufällig kennen, beide sind auf ihre Art allein: Walter ist es gewohnt, dass sein Mann Henry für Geschäftsverhandlungen in der ganzen Welt unterwegs ist; Erics Freund Toby ist seit Wochen versunken in den Proben für das Stück, das gerade aus seinem Erfolgsroman „Loved Boy“ entsteht. Die neue Freundschaft zwischen Walter und Eric aber endet jäh, als Walter plötzlich stirbt. Plötzlich zumindest für alle anderen: Er hatte niemandem von seiner Krebserkrankung erzählt. Aber er hat Eric eine unbekannte Welt eröffnet.
Beginnend im New York des Jahres 2015 kreuzen sich die Wege der Figuren: Zwei Paare stehen im Zentrum der Episoden, Walter und Henry sowie Eric und Toby. Viele weitere Figuren ergänzen das „Vermächtnis“.
In Szenen und Monologen, Rückblenden und Traumsequenzen begleiten wir sie alle über Jahre — ihre Hoffnungen, ihre Sehnsüchte und Ängste, ihre sehr verschiedenen Ansichten und Lebensentwürfe. Erfolg oder Geborgenheit, Privates oder Politisches — gibt es das nur einzeln oder auch zusammen?
Die Lebenswege der Figuren werden geprägt von individuellen Entscheidungen — aber mehr noch von Umständen und Bedingungen, die lange vor ihnen selbst in Geltung getreten sind. Vermächtnisse gewissermaßen.
Mit Walter, Mitte 60, und Eric, Anfang 30, begegnen sich auch zwei Generationen eines Lebensentwurfs, die unterschiedlicher geprägt kaum sein könnten: Die Offenheit und Selbstverständlichkeit, mit der Eric, Toby und beider Freundeskreis ihr Leben leben, war für Walter nie vorstellbar. Schweigen und Verschweigen war für ihn in seiner Jugend eine Lebensstrategie, als schwuler Mann in der US-Provinz. New York war für ihn die Zuflucht. Als er dort seinen späteren Mann Henry traf, lebte der noch mit Ehefrau und Kindern.
Zudem trennt ein großer Einschnitt die Generationen von Walter und Eric: HIV. Das Aids-Virus, das seit Ende der 1980er Jahre zahlreiche Leben kostete. Die Panik und Ausgrenzung, mit der die Gesellschaft auf diese Pandemie reagierte, hat das Leben von Walter und Henry geprägt. Walter stellte das Farmhaus dennoch all den Erkrankten zur Verfügung und kümmerte sich um sie, die sonst keinen Ort mehr hatten zum Bleiben und zum Sterben. Es war eine Zeit, in der Liebe immer auch Angst bedeutete. Walter und Henry haben es überlebt, aber der Preis war hoch.
Eric, Toby und ihre Freunde suchen ihren Platz im Leben. Sie glauben, dass ihnen die Welt offensteht. Sie nutzen ihre Freiheit. In ihrer Lebenswelt ist HIV beherrschbar. Verschwunden ist es nicht, und ist im Fall des Falles immer noch ein Vermächtnis, das über Generationen weitergegeben wird und das Leben desjenigen bestimmt. Etwa das Leben des jungen Leo.
Während die politischen Gewissheiten einen jähen Bruch finden durch die Wahl des Präsidenten Trump im Jahr 2016, werden die privaten Gewissheiten am meisten verändert durch das Verhalten jedes Einzelnen selber: Das Zusammenleben von Eric und Toby gerät unter den Schatten der Karriere, die sich Toby vom Erfolg am Theater erhofft. Sein größter Gegner dabei ist er selbst, während Henry beginnt, Interesse für Eric zu entwickeln. Und zwischen allen steht der junge Leo, auf unerwartete Weise mit mehreren von ihnen verbunden. Der Roman, den er aus seinem Leben am Ende schreiben wird, trägt den Titel: „Das Vermächtnis“.
Ausgezeichnet mit dem Tony Award 2021 für das beste Broadway-Drama, entfaltet „Das Vermächtnis“ in seinen beiden Teilen ein Gesellschaftspanorama, das über seine erzählte Zeit weit hinausreicht.
Als Vermächtnis an uns alle erweisen sich dabei auch jene Erfahrungen kollektiver Verwundbarkeit, wenn sich Unterschiede von Status, Begehren oder Lebensentwürfen auflösen in Zeiten von Krankheit, Angst oder Verlust. Und trotzdem gibt das Stück nie auf. Es glaubt daran, dass Menschen sich begegnen können. Dass Fürsorge möglich ist. Dass Gemeinschaft möglich ist.
„Das Vermächtnis“ erinnert daran, dass Gemeinschaft sich nicht in Selbstbildern bewährt, sondern im Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit. Wir alle leben in einem Vermächtnis. Wir sind nicht die Ersten. Und wir werden nicht die Letzten sein.
Mit dieser Inszenierung eröffnet Enrico Lübbe die letzte Spielzeit seiner Intendanz am Schauspiel Leipzig. Zum Regieteam gehören die Bühnenbildnerin Katrin Nottrodt, die nach „Luna Luna“ ans Schauspiel Leipzig zurückkehrt, sowie die Kostümbildnerin Sabine Blickenstorfer und Bert Wrede für die Musik — beide wirkten zuletzt an Shakespeares „Richard III“ mit.
Premiere am 03. Oktober 2026
Große Bühne
Große Bühne
Spieldauer
Beide Teile: ca. 7:00Zwischen beiden Teilen gibt es eine längere Pause von ca. einer Stunde.
Vor Ort ist ein gastronomisches Angebot erhältlich.
Beide Teile an zwei Tagen:
Sa, 09.01. 19:30 (Teil 1)
So, 10.01. 16:00 (Teil 2)
Sa, 10.04. 19:30 (Teil 1)
So, 11.04. 16:00 (Teil 2)
Besetzung
Niklas Wetzel als Junger Mann 1 / Adam / Leo
Konstantin Pfrötzschner als Junger Mann 2 / Paul Wilcox / Tucker / Junger Henry
Manuel Eistetter als Junger Mann 3 / Kellner/ Dealer / Henrys Assistent / Pförtner
Jacob Agha Ebrahim als Junger Mann 4 / Jason 1 / Klinikmitarbeiter/ Junger Walter
Jeremias Beckford als Junger Mann 5 / Tristan / Tobys Agent / Mann (Peter West)
Samuel Sandriesser als Junger Mann 6 / Jasper / Charles Wilcox
Álvaro José Sánchez Rosero als Junger Mann 7 / Jason 2
Julius Forster als Junger Mann 8 / Eric Glass
Nicolas Streit als Junger Mann 9 / Toby Darling
Dirk Lange als Morgan / Walter Poole
Wenzel Banneyer als Henry Wilcox
Katja Gaudard als Margaret
Team
Regie: Enrico Lübbe
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Sabine Blickenstorfer
Musik: Bert Wrede
Dramaturgie: Torsten Buß
Theaterpädagogische Betreuung: Amelie Gohla
