Der Besuch der alten Dame

von Friedrich Dürrenmatt
Die Stadt Güllen war einst reich. Jetzt blickt sie in den Abgrund des finanziellen Bankrotts. Es drohen Ausverkauf und Pfändung. In dieser fatalen Situation erwarten die Bewohner nichts mehr — außer den Besuch einer alten Dame, der Multimillionärin Claire Zachanassian. Vielleicht kann sie durch eine Schenkung das am Boden liegende Güllen wiederbeleben. Schließlich hat es Claire, Tochter der Stadt, einst von der einfachen „Kläri“ zur mondänen Milliardärin geschafft. Mit einem skurrilen Gefolge aus Butlern, Gangstern aus New York und in Begleitung von Ehemann Nr. 7 betritt sie die Bühne ihrer Heimatstadt. Claire schlägt ein lukratives Geschäft vor, einen Deal, bei dem der Stadt viel Geld in Aussicht steht. Neuer Reichtum zu einer einzigen Kondition: Sie will, dass ihr früherer Geliebter, der Kaufmann Alfred Ill, getötet wird und man ihr für eine Milliarde seinen Leichnam überlässt.

„Der Besuch der alten Dame“ wurde 1956 uraufgeführt und begründete Friedrich Dürrenmatts durchschlagenden Erfolg als Dramatiker. Weltweit gilt es als das populärste Stück des Schweizer Autors. Aus Not gelangen die Bürger Güllens in die Dynamik des Schuldenmachens und dabei immer tiefer in die Fänge der Claire Zachanassian. Deren moralisch zweifelhaftes Angebot schwingt wiederum zwischen einem brutalen Akt der Rache und einem Schrei nach Gerechtigkeit, die das Stück im Verlauf wie in einem Krimi mit höchst sonderbarem Figurenpersonal enthüllt. Dabei stellt der Autor mit seiner alten Dame „weder die Gerechtigkeit noch die Apokalypse dar. Sie sei nur das, was sie ist, die reichste Frau der Welt, durch ihr Vermögen in der Lage, wie eine Heldin der griechischen Tragödie zu handeln, absolut, grausam“ (Friedrich Dürrenmatt). „Der Besuch der alten Dame“ ist eine bitterböse Komödie, in der sich die groteske Komik Dürrenmatts widerspiegelt.

Nuran David Calis wurde 1976 in Bielefeld geboren. Er studierte Regie an der Otto-Falckenberg-Schule in München und arbeitet als Autor, Theater- und Filmregisseur. Zunächst drehte er Kurzfilme und Videoclips für Hip-Hop-Bands. Für seine Inszenierung von Schillers „Die Räuber“ wurde er 2006 mit dem Wiener Theaterpreis Nestroy in der Kategorie Bester Nachwuchsregisseur ausgezeichnet. Seine Verfilmung von „Woyzeck“ mit Tom Schilling in der Hauptrolle war eingeladen zum 34. Filmfestival Max Ophüls Preis 2013. Stationen seiner Theaterarbeit waren und sind u. a. Köln, Essen, Hamburg, Berlin, Stuttgart, Mannheim, Bochum, Dresden und Wien. „Der Besuch der alten Dame“ ist Nuran David Calis’ vierte Regiearbeit am Schauspiel Leipzig. Zuletzt inszenierte er hier Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“.
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Pressestimmen

Kultur und Technik
„In unserer schnelllebigen Zeit hat das Ensemble das Vier-Stunden-Drama auf handliche zwei Stunden gekürzt und rast durch die Handlung, dass es eine wahre Freude nur ist. Allenthalben vermeint man Influencer und Comedians zu entdecken […]. Das alles hat Sinn, erstaunlichen Pep und macht Laune.“
LVZ
„Güllen, die Gemeinde aus ‚Der Besuch der alten Dame‘, überträgt Nuran David Calis am Schauspiel Leipzig in die Internet-Gegenwart. […] [D]ie Pervertierung der Moral in kleinen Schritten, das arbeitet die Inszenierung mit kleinen Gesten der Bevölkerung und großen Reden des Bürgermeisters heraus. Dirk Lange glänzt als wendiger Politiker […].“
MDR Kultur
„Über dieser Glaskastenbühne, die vier Meter hoch gebaut ist, gibt es noch mal einen drei Meter hohen Streifen über die ganze Bühnenbreite. Darauf werden die Handy-Displays der Agierenden in Übergröße projiziert. […] Direkt und zwischenmenschlich, also analog wie früher, findet nichts mehr statt. Das ist jetzt keine neue Erkenntnis, aber es macht Spaß zuzusehen, wie das gespielt ist, wie die Schauspieler die Figuren überzeichnen und parodieren. Kompliment auch an Johanna Stenzel, die diese pervertierten Egos perfekt in Kostümbilder umzusetzen versteht […]. Die Schauspieler zeigen eine gute Ensembleleistung. Alle Monologe sind sehenswerte Kabinettstückchen!“
Premiere am 17. Oktober 2020

Nächste Termine

https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Aufgrund der Corona-Maßnahmen entfällt diese Veranstaltung.
Sa, 14.11. 19:30
Mit englischen Übertiteln
Große Bühne
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Sa, 12.12. 19:30
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Sa, 19.12. 19:30
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18:30
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So, 20.12. 16:00
Große Bühne
15:00
Einführung digital
https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
So, 27.12. 19:30
Große Bühne
18:30
Einführung digital

Spieldauer

ca. 2:00, keine Pause

Besetzung

Bettina Schmidt als Claire Zachanassian
Denis Grafe als ihre Gatten VII-IX
Andreas Keller als Butler
Roman Kanonik als Alfred III
Daniela Keckeis als seine Frau
Ellen Neuser als seine Tochter
Dirk Lange als Bürgermeister
Eidin Jalali als Polizist / Pressemann
Markus Lerch als Der Erste / Koby / Radiosprecher
Yves Hinrichs als Der Zweite / Loby

Team

Kostüme: Johanna Stenzel
Video: Doreen Schuster, Kai Schadeberg, Fabian Polinski
Dramaturgie: Benjamin Große
Licht: Jörn Langkabel