Nacht ohne Sterne (DE)

Wir leben in einer Welt, in der der Verlust des Kindergartenplatzes eine existenzielle Bedrohung darstellt. Mit dieser schlaglichtartigen Erkenntnis beginnt Bernhard Studlar seine Reise durch die Nacht in einer nicht näher benannten Großstadt, in der eine Reihe schillernder Figuren aufeinanderstoßen — da ist der Familienvater, der zum Messermörder wird, der Kredithai, der hinter seiner professionellen Brutalität ein liebendes Vaterherz verbirgt, eine Notärztin am Rande des Nervenzusammenbruchs, ein demaskierter Engel und der Tod höchstselbst in der Maske eines Haustechnikers. Sie alle kämpfen um ein kleines bisschen festen Boden unter den Füßen angesichts einer immer brüchiger werdenden Zivilisationsoberfläche — ein Tanz auf dem Vulkan, der mal an Schnitzlers „Reigen“, mal an einen makabren Totentanz gemahnt. Manche der Figuren werden den Morgen nicht mehr erleben, und keiner wird nach dieser Nacht mehr der sein, der er war.
Bernhard Studlars Figuren sind subtil unserer brüchigen Gegenwart abgelauscht — und sind bei aller Wirklichkeitshaftung immer durchzogen von einem Hauch von Phantastik, die sie in ein verzauberndes Spiegelbild blicken lässt, das vielleicht so etwas wie eine sich doch erfüllende Sehnsucht verheißt.

„Nacht ohne Sterne“ erlebte seine Uraufführung 2017 als Auftragswerk am Nationaltheater Bratislava; das Schauspiel Leipzig realisiert nun die Deutschsprachige Erstaufführung. Von Bernhard Studlar war 2015 bereits die Uraufführung von „Die Ermüdeten oder Das Etwas, das wir sind“ am Schauspiel Leipzig zu erleben; die Produktion ist nach wie vor im Repertoire der Diskothek.
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Pressestimmen

Der Freitag
„Rasante 70 Minuten sind das, Kämmerer schafft es fabulös, den Spannungsbogen zu halten, vor allem durch die frech-fröhlichen Auftritte des personifizierten Todes. Der ist stets über alle Probleme erhaben und provoziert mit seiner Haltung einige Lacher. Der Applaus will auch nach Öffnen des Saales nicht verebben.“
Deutschlandfunk Kultur
„Ein Endzeit-Szenario steckt in Studlars Text – aber das allein wäre erzlangweilig, würde Kämmerers Inszenierung nicht stattdessen (oder darüber hinaus) diesen fantastischen kleinen Totentanz zeigen: 70 Minuten nur, aber ein Highlight.“
KULTURA-EXTRA
„Man hat es hier mit einer Art kleinem Totentanz oder Reigen zu tun, orientiert an Arthur Schnitzler aber auch an Ödön von Horváth. Ein ganz heutiger Text, der sich anhand von persönlichen Schicksalen zwischen Liebesbeziehungen, Alltagsängsten und ökonomischen Zwängen bewegt und auch am Rande die gesellschaftlichen Verhältnisse streift.“
LVZ
„Mutter und Tagesmutter sind schwarz gehüllt und geschminkt, erscheinen mit hoher Spitzhaube samt Schleier wie faszinierende Zerrspiegelungen der unerwünschten 13. Fee. In todbleichem Weiß zeigt sich der Kredithai als von Anfang an jenem Gevatter zugesprochen, der ihn dann auch bald holen kommt. Nicht der einzige, dem sich der Tod [...] in dieser Nacht zu widmen hat.“
Deutsche Erstaufführung am 20. April 2019

Spieldauer

ca. 1:10, keine Pause

Besetzung

Katharina Schmidt als Die Kindergärtnerin
Anne Cathrin Buhtz als Die Mutter
Wenzel Banneyer als Der Vater
Denis Petković als Der Kredithai
Marie Rathscheck als Der Engel / Die Schauspielerin
Daniela Keckeis als Die Ärztin
Andreas Herrmann als Der Patient / Die Freiheitsstatue
Dirk Lange als Der Tod
Alina-Katharin Heipe als Das Mädchen
Tilo Krügel als Der Barmann

Team

Regie und Bühne: Gordon Kämmerer
Mitarbeit Bühne: Louisa Robin, Nane Thomas
Kostüme: Josa Marx
Dramaturgie: Georg Mellert
Licht: Jörn Langkabel

Trailer