The Shape of Trouble to Come (UA)

Ein posthumanes Ritual
Ein Gespenst geht um in Europa. Nicht allein in Europa, sondern weltweit. Was da spukt, ist eine mögliche Welt von morgen. Selten stand die Welt, wie wir sie kennen, derart in Frage. Selten erschien das Potenzial für eine wirkliche Veränderung derart groß. Ein neues Denken wird gefordert — individuell wie gesellschaftlich, politisch, ökologisch, ästhetisch. Die Transformationen, die auf uns zukommen, betreffen sämtliche Aspekte des menschlichen und unmenschlichen Lebens: Wie steht es mit unserem Verhältnis zur Natur, zur Technologie und nicht zuletzt zu uns selbst?

„The Shape of Trouble to Come“ entwirft spekulative Zukunftsszenarien, vielleicht über den geschützten Raum des Theaters hinaus. Wäre ein besseres Morgen nicht eines, in dem sich die Menschen nicht mehr der Welt gegenüber positionieren, sondern sich als Teil von ihr begreifen? Ciao Kapitalismus, ciao Patriarchat, ciao Mensch, du Krone der Schöpfung! Können wir uns eine Zukunft vorstellen, in der es weniger um Unterscheidung und Unterwerfung geht als um das, was uns verbindet? Welche neuen Formen der Gemeinschaft sind möglich, nicht nur zwischen Menschen und menschlichen Kulturen, sondern auch darüber hinaus? Und wo könnte man der Utopie einer solchen Gemeinschaft einen besseren Ausdruck verleihen als im Teilchenbeschleuniger Bühne, dem Ort des leiblichen Zusammenseins?

Ausgehend von Texten Donna Haraways und Heiner Müllers, in denen der Mensch und der Kapitalismus aus dem Zentrum des Denkens gerückt werden, versucht sich „The Shape of Trouble to Come“ an utopischen Erzählungen eines möglichen Morgen. Dabei geht es auch um die Erprobung alternativer, hybrider Formen des Theaters, in denen die Zukunft entworfen wird, anstatt immer wieder die Vergangenheit zu beschwören. Im besten Fall entsteht aus diesem Experiment eine neue Art Musiktheater zwischen Verführung, Beschwörung, Tanz und Stillstand. Ein transformatives Theater, das den Übergang zu neuen Denk- und Daseinsformen ermöglicht. „The Shape of Trouble to Come“ versteht sich als freudvoll-futuristischer Entwurf einer vielgestaltigen Welt, deren Elemente sich wechselseitig durchdringen und immer neue Formen hervorbringen.

Das 2016 gegründete Theaterkollektiv FARN besteht aus Sandra Hüller, Tom Schneider, Tobias Staab, Michael Graessner, Sandro Tajouri und Moritz Bossmann. Theater wird hier als kollektive Praxis des Denkens und Handelns begriffen. Innerhalb des Kollektivs gibt es keine festgelegten Strukturen oder Hierarchien, keine präexistierenden Formen oder Ästhetiken, keine Sicherheiten und Wahrheiten, auf die man sich verlassen könnte oder wollte.

FARN hat keine Antworten, aber jede Menge Fragen. Nach ihren Arbeiten „Bilder deiner großen Liebe“ am Theater Neumarkt Zürich, als Gastspiel am Schauspiel Leipzig zu sehen, und „Die Hydra“ am Schauspielhaus Bochum wird ihre neueste Produktion im Sommer 2021 am Schauspiel Leipzig entstehen.
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Premiere am 18. Juni 2021

Nächste Termine

https://www.schauspiel-leipzig.de Schauspiel Leipzig Bosestraße 1, 04109 Leipzig
Fr, 18.06. 19:30
Premiere
Große Bühne

Team

Regie: Tom Schneider
Bühne & Kostüme: Michael Graessner
Musik: Moritz Bossmann, Sandro Tajouri
Dramaturgie: Tobias Staab, Georg Mellert
Eine Koproduktion von Schauspiel Leipzig und FARN