The Shape of Trouble to Come (UA)

Ein posthumanes Ritual
FARN. collective
Können wir uns eine Zukunft vorstellen, in der es weniger um Unterscheidung und Unterwerfung geht als um das, was uns verbindet? Wäre ein besseres Morgen nicht eines, in dem sich die Menschen nicht mehr der Welt gegenüber positionieren, sondern sich als Teil von ihr begreifen? Ciao Kapitalismus, ciao Patriarchat, ciao Mensch, du Krone der Schöpfung!
Ein neues Denken wird gefordert – individuell wie gesellschaftlich, politisch, ökologisch, ästhetisch. Die Transformationen, die auf uns zukommen, betreffen sämtliche Aspekte des menschlichen und unmenschlichen Lebens: Wie steht es mit unserem Verhältnis zur Natur, zur Technologie und nicht zuletzt zu uns selbst?

Ausgehend von Texten Donna Haraways und anderer AutorInnen, in denen der Mensch und der Kapitalismus aus dem Zentrum des Denkens gerückt werden, versucht sich „The Shape of Trouble to Come“ an utopischen Erzählungen eines möglichen Morgen. Dabei geht es auch um die Erprobung alternativer, hybrider Formen des Musiktheaters, in denen die Zukunft entworfen wird, anstatt immer wieder die Vergangenheit zu beschwören.

In den Ruinen des Kapitalismus träumt das FARN. collective von einer Welt, in der sich die Menschen wieder als Teil eines größeren ökologischen Zusammenhangs begreifen. Mit Donna Haraways utopischer Mensch-Schmetterlingshybride Camille besingen sie künftige Lebensformen und tanzen auf den Überresten des Anthropozäns.
Sie finden hier die FADENSPIELE, eine Sammlung aus Texten, Zitaten, Videos und Fotos, die den Entstehungsprozess der Produktion begleiten.
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Pressestimmen

Das Kulturblog
„Neben Sandra Hüllers Monologen ist in diesem avantgardistischen Experiment Christoph Müllers zart gesungene The Foreigners-Hymne ‚I want to know what love is‘ einer der Lichtblicke, er wechselte vor kurzem vom Schauspiel Hannover ins Leipziger Ensemble.“
FAZ
„Während [Heiner] Müllers Worte die Zukunft in Schreckensfarben malen, wirken Haraways Utopien freundlich bunt und ein bisschen so, als könnten sie auch von Elon Musk stammen. Man müsse die Wirklichkeit durch Praktiken und Rituale ‚zum Stottern bringen‘, ruft Hüller im surrealistischen Engelskostüm.“
LVZ
„In einem eindrücklichen Monolog sinniert Christoph Müller, Mitglied des Schauspiel-Ensembles, über die Poesie der Kaiser-Pinguine, über ‚vegetative, nicht-kommunikative Kunst‘. Was existiert, von dem wir noch nichts ahnen? […] Hüller entlässt das Publikum mit einem Gag aus diesem zarten, trotz gedankenstrotzender Monologlast sehr sinnlichen und eingängigen Abend: Sie spricht mit den Pflanzen, das Grün antwortet. Das Publikum wiederum verabschiedet das Team mit Jubel.“
MDR
„Sandra Hüller und auch Christoph Müller tragen die Texte wunderbar vor und den Abend über weite Strecken. Und wenn am Ende alle fünf Performer ums analoge Lagerfeuer sitzen wie schon Adam und Eva und die Poesie der Ameisen, der Kaiserpinguine und am Ende auch die Poesie der Felsen beschreiben, ist man schließlich angekommen, ist getröstet nach geleisteter Trauerarbeit. Ruhig geworden, statt unruhig bleiben.“
Mitteilungsblatt DIE LINKE
„Das schöne surreale Bild, wo kleine Figuren schweben und dazu rosa Luftballons, sanft eine Zauberfee-Atmosphäre entsteht, ein süßer Lollipop-Moment. Die Stunde des Träumens in einer fast zerstörten Welt. Dann singt ein einsamer Gärtner auf einem alten Computermonitor sitzend den Welthit der britisch-amerikanischen Rockband ‚Foreigner‘: ‚I wanna know what love is …‘ Stark und überzeugend ist die Schauspielerin Sandra Hüller: voller Bühnenpräsenz und Klarheit.“
nachtkritik
„Natürlich ist Sandra Hüller hinreißend wie immer – man möchte ihr stundenlang dabei zuhören, wie sie mit Haraway und Ursula K. Le Guin über einen anderen Blick auf die Welt, die Wissenschaft und die Verbindung von Mensch und allen anderen Wesen (den ‚critters‘, wie es bei Haraway heißt) spricht. […] Einmal sitzt Christoph Müller allein auf der weiten Bühne und singt Foreigners ‚I want to know what love is‘. Zart hallt das nach, wird im Refrain sanft von einer Art Chor verstärkt.“
Süddeutsche Zeitung
„Die Schauspielerin Sandra Hüller, geliebt und gefeiert im Theater wie im Film, ist so etwas wie die Hohepriesterin und gute Fee und überhaupt: die einzige Frau in dem ‚posthumanen Ritual‘, das sie mit sechs künstlerischen Komplizen vollzieht, um eine mögliche Zukunft anzudenken. […] Am schönsten ist es, wenn Christoph Müller zwischendrin mal sehr ruhig und sehr, sehr langsam den Song ‚I want to know what love is‘ von Foreigner sprechsingt. Ja, wir müssen alle Phyto- und Geolinguisten werden, müssen die Sprache der Pflanzen und Felsen lernen, eingehen auf oder in die Natur. Aber ohne Liebe geht es nicht.“
Digitale Premiere am 18. Juni 2021
Analoge Premiere am 19. Juni 2021

Team

Kostüme: Kathi Maurer
Musik/Live-Musik: Sandro Tajouri, Moritz Bossmann
Sounddesign: Christian Döpping
Lichtdesign und Video: Matthias Singer
Licht: Carsten Rüger
Theaterpädagogische Betreuung: Amelie Gohla

Eine Produktion von FARN. collective in Koproduktion mit dem Schauspiel Leipzig und dem Schauspielhaus Bochum. Gefördert durch den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg.